Ist Polyester umweltfreundlich? 11 wichtige Dinge, die du wissen solltest

Florian

Polyester ist nach Polyethylen und Polypropylen eine der häufigsten verwendeten Kunststoffgruppen – insbesondere als Textilfaser und Wasserflaschen.

Leider sieht es in puncto Umweltfreundlichkeit bei Polyester nicht gut aus, denn es wird wie die meisten Kunststoffe aus Erdöl und unter hohem Energieverbrauch sowie CO2-Emissionen hergestellt.

Zudem fallen chemisch belastete Abwässer an und Polyester trägt massiv zur Bildung von Mikroplastik bei.

Außerdem gibt es für Polyester keinen auch nur ansatzweise geschlossenen Wertstoffkreislauf – selbst nicht bei recyceltem Polyester.

Was du über Polyester wissen musst, erfährst du jetzt.

1. Was genau ist Polyester eigentlich?

Polyester ist genau genommen gar kein spezifisches Material, sondern ein Überbegriff für synthetische Polymere – also Kunststoffe.

Die bekanntesten Kunststoffe aus der Familie der Polyester sind Polyethylenterephthalat (PET) und Polycarbonat (PC) – beide Vertreter sind thermoplastische Kunststoffe.

Oftmals wird mit dem Begriff Polyester aber auch direkt der spezifische Kunststoff PET gemeint. Einige Polyester kommen übrigens auch natürlich in Pflanzen und Insekten vor.

Die absolut überwiegende Masse an Polyestern sind jedoch synthetisch hergestellt und werden vor allem als Verpackungsmaterial (z.B. PET-Trinkflaschen) sowie weitverbreitet als Kunstfasern in der Textilindustrie genutzt.

In vielen Textilien werden die synthetischen Polyesterfasern häufig auch mit Naturfasern wie Baumwolle vermischt.

2. Ist Polyester umweltschädlich?

Es gibt zwar bereits Alternativen zu auf Erdöl basierenden Polyestern, etwa aus nachwachsenden Rohstoffen – allerdings ist deren Marktanteil noch verschwindend gering, weshalb in erster Linien erdölbasiere Polyester ins Gewicht für die Umwelt fallen.

Als Produkte der Petrochemie verursachen die allermeisten Polyester nämlich erhebliche Umweltschäden – angefangen bei der Förderung und Raffinierung von Erdöl oder Erdgas, über die eigentliche Herstellung von Polyester bis hin zu seiner Entsorgung.

Ein wesentlicher chemischer Baustein des Polyesters PET ist unter anderem Ethylen, welches mittels eines enorm aufwändigen petrochemischen Prozesses namens „Steam-Cracking“ gewonnen wird.

Steam-Cracking ist nicht nur der komplizierteste Prozess der Erdölindustrie, sondern verursacht laut SWR auch mehr klimaschädliche CO2-Emissionen als jeder andere Bereich in der chemischen Industrie.

Laut der Non-Profit Organisation CFDA macht Polyester ca. 80% aller verwendeten Textilfasern aus und verbraucht enorme Mengen an Energie – was entsprechend zu massiven Treibhausgasemissionen führt, weil der Energiebedarf überwiegend aus fossilen Energieträgern wie Kohle gedeckt wird.

Konkret verbraucht die Herstellung von einem einzigen Kilo Polyester ganze 125 Megajoule an Energie und verursacht über 14 kg an CO2 Emissionen.

Das entspricht bis zum Dreifachen des Ausstoßes von klimaschädlichem Treibhausgas von Baumwolle – die selbst schon als umweltschädlich gilt.

Zudem kommt neben dem hohen Wasserverbrauch auch das Problem der mit Schwermetallen und Chemikalien stark belasteten Abwässer, die in vielen Regionen der Welt leider nur ungenügend oder gar nicht behandelt in Flüsse und Seen geleitet werden.

Obwohl Polyester in der Regel gut recycelt werden kann, werden laut A New Textiles Economy Report weniger als 1% der recycelten Bekleidung für die Produktion neuer Bekleidung verwendet – es handelt sich also stets um Downcycling.

Praktisch alle Textilien aus Polyester bestehen somit aus frischem Polyester mit seiner verheerenden Umweltbilanz – obwohl die Herstellung recycelten Polyesters bis zu 59% weniger Energie verbraucht. Allerdings muss auch recyceltem Polyester immer frisches zugemischt werden.

Aber egal, ob frisches oder recyceltes Polyester, beide tragen erheblich zur Verschmutzung der weltweiten Gewässer mit Mikroplastik bei – und damit zur Verschmutzung der Nahrungskette und des Trinkwassers.

Denn laut einer Studie der University of Plymouth setzt eine einzige durchschnittliche 6 kg Waschladung von Polyester-Textilien 496.030 Fasern an Mikroplastik frei. Diese sind so klein, dass sie nicht in Klärwerken herausgefiltert werden können.

3. Ist Polyester giftig?

Das kommt darauf an, um welches Polyester es sich handelt und ob es gesundheitsschädliche Chemikalien wie Flammschutzmittel oder Farbstoffe zugesetzt wurden.

Das in Textilien und Trinkflaschen verwendete PET gilt zwar weitgehend als ungiftig und nicht gesundheitsschädlich, so beurteilt das auf das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung).

Doch es gibt auch mindestens eine Studie, die hormonell aktive Substanzen im Mineralwasser von PET Flaschen gefunden hat – auch wenn es seitdem keine weiteren Studien dazu gab und auch die Forscher selbst nicht mit Sicherheit sagen können, was genau die Quelle der Substanzen war.

Mehr zu den Gefahren durch Kunststoffe erfährst du hier.

Während PET als zumindest weitgehend als unbedenklich gilt, trifft das nicht zwangsläufig auf alle Polyester zu:

Beispielsweise werden bei bestimmten Polycarbonaten (PC) Weichmacher wie Bisphenol A verwendet, was nachweislich gesundheitsschädlich ist und deshalb in der EU seit 2011 für den Einsatz in Säuglingsflaschen verboten ist.

Und auf Polyester in Textilien werden unter Umständen schädliche Chemikalien wie per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAs) zugesetzt, um sie beispielsweise antimikrobiell oder schmutzabweisend zu machen, die gerade durch den direkten Hautkontakt Rötungen und Hautreizungen auslösen können.

4. Ist Polyester biologisch abbaubar?

Es gibt zwar einige natürlich vorkommende und synthetische Polyester, die biologisch abbaubar sind.

Ein Beispiel dafür sind etwa Polyactide (PLA), die oft für Verpackungen oder Folien verwendet werden und sich innerhalb einiger Monate biologisch zersetzen – allerdings oft nur unter den speziellen Bedingungen industrieller Kompostierungsanlagen.

Und es gibt bereits vielversprechende Studien, die sich mit biologisch abbaubaren Polyestern beschäftigen, welche aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt werden.

Allerdings ist die absolute Mehrheit der weltweit produzierten Polyester nicht biologisch abbaubar, insbesondere das in der Textilindustrie und für Trinkflaschen verwendete PET, aber auch Polycarbonat.

5. Ist Polyester kompostierbar?

Nein, als synthetisch hergestellte Kunststoffe sind die absolute Mehrzahl der Polyester, insbesondere PET und Polycarbonat – nicht kompostierbar.

Und das verwundert auch nicht – ist Kompostierung doch letztlich menschlich gesteuerter biologischer Abbau – und da die meisten Polyester eben nicht biologisch abbaubar sind, sind sie erst recht nicht kompostierbar.

Und selbst die wenigen Polyester – beispielsweise Polyactide (PLA) und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellte Polyester – sind nur unter den speziellen Umweltbedingungen industrieller Kompostierungsanlagen kompostierbar.

Auf deinem heimischen Kompost würden sich selbst diese „kompostierbaren“ Polyester gar nicht oder erst nach vielen Jahren zersetzen.

Zudem ist immer zu bedenken, dass eventuell bei der Herstellung verwendete Zusatzstoffe bei der Kompostierung frei werden und somit die Komposterde verunreinigen können.

6. Ist Polyester recycelbar?

Ja, reines Polyester, vor allem PET, kann technisch durchaus recycelt werden.

Allerdings ist es in der Realität so, dass die meisten Textilprodukte nicht zu 100% aus Polyester bestehen, sondern noch andere Textilfasern enthalten, was deren Recycling schwierig oder unmöglich macht.

Zudem büßen die Polyesterfasern beim überwiegend genutzten mechanischen Recycling jedes Mal an Festigkeit ein, wodurch stets frisches Polyester zugemischt werden muss.

Insofern gibt es keinen wirklich geschlossenen Wertstoffkreislauf bei Polyester, anders als es beispielsweise bei Glas oder Stahl der Fall ist.

7. Ist Polyester nachhaltig?

Nein, da weltweit praktische die gesamte Polyesterproduktion auf endlichen, fossilen Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas basiert, ist Polyester schon alleine aus diesem Aspekt nicht nachhaltig.

Es gibt zwar bereits Ansätze, Polyester aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen, die möglicherweise zukünftig eine nachhaltige Alternative zu den heuten Polyestern bieten – deren heutiger Anteil am Gesamtmarkt von Polyester ist jedoch praktisch nicht erwähnenswert.

Doch nicht nur die fossile Rohstoffquelle macht Polyester nicht nachhaltig, sondern auch der Herstellungsprozess an sich, der extrem umweltbelastend ist, wenn die zahlreichen gefährlichen Chemikalien und Abwässer unbehandelt entsorgt werden (wie es in vielen Ländern Asiens leider der Fall ist).

Und auch am Ende des Lebenszyklus ist Polyester nicht nachhaltig, weil es keinen geschlossenen Materialkreislauf gibt – es muss also stets neues Polyester nachproduziert werden – selbst zur Herstellung von recyceltem Polyester.

8. Ist Polyester Polyamid?

Nein, Polyester sind keine Polyamide. Chemisch gesehen sind zwar beide Oberbegriffe für Polymere, statt spezifischer Kunststoffe.

Allerdings unterscheiden sie sich chemisch darin, dass Polyester auf sogenannten Esterfunktionen basieren, während Polyamide Amidbindungen besitzen.

Verwendet werden beide sehr häufig in Textilien – die bekanntesten Beispiele für Polyamide sind Nylon und Perlon.

Hier erfährst du mehr über das Polyamid Nylon.

9. Ist Polyester Mikrofaser?

Mikrofaser bezeichnet lediglich Fasern, die weniger als 10 Mikrometer Durchmesser besitzen, also nur ein Bruchteil eines menschlichen Haares.

Insofern können auch mineralische Fasen wie etwa Glaswolle zu den Mikrofasern zählen.

Mikrofasern werden aufgrund ihrer besonders weichen Textur und Fusselarmut geschätzt.

Es gibt Mikrofasern, die aus Polyester bestehen – diese sind meistens an der Kennzeichnung „Polyester-Mikrofaser“ zu erkennen.

Auch andere Textilfasern können als Mikrofasern verarbeitet werden, beispielsweise Lyocell.

10. Ist Polyester Baumwolle?

Polyester und Baumwolle liegen chemisch gesehen Welten auseinander, denn Polyester ist eine synthetische Kunstfaser, während Baumwolle eine Naturfaser ist.

Allerdings werden beide Materialien oft in Textilien verwendet – und sogar häufig als Mischfasern in einem Kleidungsstück.

Dadurch sollen sich die vorteilhaften Eigenschaften der beiden Materialien ergänzen und das Textil besser werden, als wenn es allein aus Baumwolle oder Polyester bestünde.

11. Ist Polyester Viskose?

Nein, Viskose ist zwar ebenfalls eine Kunstfaser, die industriell hergestellt wird – allerdings besteht sie vollständig aus dem nachwachsenden Rohstoff Cellulose.

Deshalb zählt Viskose zu den sogenannten Cellulose-Regeneratfasern und ist eng verwandt mit dem besonders umweltfreundlichen Lyocell und Modal.

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