Ist Glaswolle umweltfreundlich? 17 Fakten, die du kennen solltest

Ist Glaswolle umweltfreundlich? 17 Fakten, die du kennen solltest

zuletzt aktualisiert am 18 Juni 2022

Glaswolle zählt seit dem frühen 20sten Jahrhundert zu den beliebtesten Dämmstoffen.

Doch wie steht es um die Umweltverträglichkeit von Glaswolle?

Denn einerseits besteht Glaswolle zwar größtenteils aus Altglas, andererseits verbraucht ihre Produktion aber auch große Mengen an Energie – und weil sie nicht recycelt werden kann, landet Glaswolle zur Endlagerung praktisch immer auf Mülldeponien.

Was du zur Umweltfreundlichkeit von Glaswolle sowie zum sicheren Umgang mit ihr wissen musst, erfährst du jetzt.

1. Wird Glaswolle umweltfreundlich hergestellt?

Die Herstellung von Glaswolle verbraucht große Mengen Energie, weil die Rohstoffe – vor allem Glas und Sand – zunächst bei ca. 1200 – 1600 °C geschmolzen werden müssen.

So benötigt die Herstellung eines Kubikmeters Glaswolle bis zu 500 kWh an Primärenergie.

Das geschmolzene Glas- und Sandgemisch wird durch Zieh-, Schleuder- oder Blasverfahren zu feinen Fäden, vergleichbar mit der Herstellung von Zuckerwatte oder von Textilfasern.

Weil die Schmelzöfen derart hohe Temperaturen benötigen, fallen dabei natürlich klimaschädliche Emissionen an – sowohl direkt beim Schmelzvorgang, aber vor allem bei der Erzeugung der Primärenergie (weil wir immer noch weit entfernt sind von einem emissionsfreien Strommix).

Auf der anderen Seite besteht Glaswolle zu etwa 70% aus Altglas, was sie somit aus Rohstoffsicht sehr umweltfreundlich macht.

Denn letztlich wird dadurch Glasabfall in ein sehr nützliches und langlebiges Produkt verwandelt, ohne dass dafür zunächst neues Glas hergestellt werden muss.

Auch die anderen Inhaltsstoffe von Glaswolle wie Sand, Kalkstein und Soda sind generell natürlichen Ursprungs und aus Umweltsicht unbedenklich – allerdings stellt ihr Abbau in der Regel immer einen mehr oder wenigen starken Eingriff in natürliche Landschaften dar.

Glaswolle enthält jedoch auch immer Bindemittel und Zusatzstoffe wie Phenolharze und Mineralöl – wenn auch nur in geringen Mengen (ca. 5%).

Phenolharze sind zwar in ausgehärtetem Zustand generell unbedenklich für Umwelt oder Gesundheit.

Allerdings sind ihre Ausgangsstoffe Phenol und Formaldehyd äußert giftig und umweltschädlich, die beispielsweise im Brandfall frei werden.

2. Ist Glaswolle Mineralwolle?

Ja, Glaswolle ist eine Art von Mineralwolle, da sie aus mineralischen Fasern besteht – hauptsächlich aus Glas (daher der Name Glaswolle).

Je nachdem, welche mineralischen Rohstoffe eingeschmolzen und zu Dämmwolle verarbeitet werden, wird das Endprodukt entsprechend anders bezeichnet.

Werden beispielsweise (statt Altglas) Steine wie Basalt, Dolomit oder Feldspat eingeschmolzen, wird die daraus hergestellte Wolle Steinwolle genannt.

Weil Glas genau wie Steine mineralischen Ursprungs ist, zählen sowohl Glaswolle als auch Steinwolle zu den Mineralwollen.

3. Ist Glaswolle biologisch abbaubar?

Nein, Glaswolle ist in keiner Weise biologisch abbaubar, da sie im Wesentlichen aus Glas und Sand besteht, welche in der Natur nicht zersetzt werden.

Keine Art von Mineralwolle ist biologisch abbaubar, weil Mikroorganismen in aller Regel nur organische Stoffe zersetzen können, nicht jedoch anorganische Stoffe wie Stein, Sand oder Glas.

Insofern ist Glaswolle ebenso wenig biologisch abbaubar wie herkömmliches Glas, was ebenfalls nicht verrottet.

4. Ist Glaswolle kompostierbar?

Kompostierung ist letztlich nur vom Menschen überwachter biologische Abbau, sei es auf dem heimischen Kompost oder in industriellen Kompostierungsanlagen.

Das Ziel der Kompostierung ist, den ohnehin stattfindenden Prozess des biologischen Abbaus zu beschleunigen, indem für die daran beteiligten Mikroorganismen förderliche Bedingungen hergestellt werden (vor allem Temperatur und Sauerstoff).

Da Glaswolle aber von vornherein nicht biologisch abbaubar ist, ist sie natürlich auch nicht kompostierbar.

Das leuchtet ein, da schließlich auch niemand auf die Idee kommen würde, Glasflaschen auf den Kompost zu werfen in der Hoffnung, dass diese verrotten.

5. Ist Glaswolle umweltschädlich?

Fertige Glaswolle als Werkstoff an sich ist nicht wirklich umweltschädlich, da sie im Normalfall keine giftigen oder anderweitig gefährlichen Stoffe in die Umwelt abgibt.

Wie eingangs beschrieben, entstehen bei der Herstellung allerdings umweltschädliche Effekte, sowohl bei der eigentlichen Produktion durch den hohen Energieverbrauch, als auch beim Abbau des Rohstoffes Sand, der landschaftliche Eingriffe nach sich zieht.

Zudem kommen bei der Produktion auch Mineralöl und sowie giftige Rohstoffe wie Phenol und Formaldehyd für die Bindemittel zum Einsatz – wenn auch nur in geringem Umfang.

Diese Bindemittel stellen zwar in der fertigen Glaswolle keine Umweltgefahr dar, gelangen allerdings beispielsweise im Brandfall wieder in die Umwelt.

6. Ist Glaswolle nachhaltig?

Da Glaswolle zum überwiegenden Teil aus Altglas besteht und eine praktische unbegrenzte lange Verwendungszeit hat, ist dieser Dämmstoff einer der nachhaltigsten, die du wählen kannst.

Zwar ist Glaswolle kein perfektes Baumaterial, vor allem aufgrund folgende Punkte:

  • großer Energieverbrauch in der Produktion
  • Einsatz von Mineralöl und giftigen Bindemitteln (wenngleich nur in kleinen Mengen)
  • Abfallproblem aufgrund fehlenden Recyclings
  • nicht biologisch abbaubar

Und dennoch ist Glaswolle in der Praxis unter allen verfügbaren Materialoptionen beileibe keine schlechte Wahl aus Nachhaltigkeitssicht.

Denn was sind die Alternativen?

Dämmung aus Styropor beispielsweise weist nicht nur schlechtere Dämmwerte auf, sondern als erdölbasiertes Material ist es weder nachhaltig noch umweltfreundlich in der Herstellung oder Entsorgung.

Und auch die neueren, ökologischen Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen – etwa Schafs- oder Baumwolle, Flachs, Hanf, oder Jute – sind zwar tatsächlich aus Rohstoffsicht nachhaltig.

Allerdings erfordert auch ihre Produktion viel Energie und sie benötigen ebenso nicht unproblematische chemische Zusatzstoffe und Bindemittel.

7. Ist Glaswolle giftig?

Generell ist Glaswolle ungiftig – sie dünstet also weder giftige Substanzen aus, noch ist sie bei direktem Kontakt für Mensch oder Umwelt giftig.

Allerdings enthält Glaswolle immer auch zu einem kleinen Anteil Bindemittel und Mineralöl. Insbesondere die Bindemittel sind sogenannte Phenolharze, die aus dem giftigen und umweltschädlichen Phenol und Formaldehyd hergestellt werden.

Zwar geht von diesen Zusatzstoffen im Normalfall keine Gefahr aus – im Brandfall aber würden diese giftigen Substanzen freigesetzt.

Glaswolle, die ab dem Jahr 2000 hergestellt wurde, gilt aufgrund der größeren Filamentfasern auch nicht mehr als krebserregend – im Gegensatz zu älterer Glaswolle, speziell von vor 1996.

Allerdings können auch bei moderner Glaswolle durch die kleinen Glasfasern bei Kontakt oder Einatmen Hautirritationen, Augen- und Atemwegsirritationen ausgelöst werden – das ist zwar nicht giftig oder gefährlich, aber du solltest dennoch auf Schutzausrüstung achten.

8. Ist in Glaswolle Asbest?

Asbest wurde seit den 1930er Jahren in Deutschland so häufig wie kaum ein zweiter Baustoff verwendet – allerdings gehörte die Beimischung in Glaswolle selbst damals eigentlich nicht zu seinem Verwendungszweck.

Weil Asbest nachweislich krebsauslösend wirkt, wenn es eingeatmet wird, ist die Verwendung von Asbest bereits seit 1993 in Deutschland verboten.

Dass du es in Altbauten in Glaswolle findest, ist zwar sehr unwahrscheinlich. Allerdings musst du bei Glaswolle von vor 1996 ohnehin davon ausgehen, dass sie gesundheitsschädlich ist – auch ohne Asbest.

Tatsächlich rührt die Gesundheitsgefahr sowohl bei Asbest als auch bei alter Glaswolle in beiden Fällen von derselben Tatsache, dass ihre Fasern extrem klein und biopersistent sind (sich also nicht im Körper abbauen).

9. Ist Glaswolle noch erlaubt?

Seit Juni 2000 ist die Herstellung und der Vertrieb von alten Mineralfasern – wozu auch Glaswolle zählt – verboten.

Der Grund ist, dass vor diesem Jahr hergestellte Glaswolle oft besonders feine Fasern hatte (unter 3 Mikrometer), die lungengängig sind und zudem nur schwer oder gar nicht vom Körper abgebaut werden konnten (geringe Biolöslichkeit).

Zwar bestand bereits seit 1996 eine Selbstverpflichtung der Industrie, nur solche Glaswolle herzustellen, die aufgrund größerer Fasern und höherer Biolöslichkeit gesundheitlich unbedenklich ist – gesetzliche Pflicht wurde das aber erst im Jahr 2000.

Die Herstellung, Weitergabe und Verwendung von Glaswolle (und anderer Mineralwolle) ist seitdem nur erlaubt, wenn sie als nicht krebserregend gilt, also mindestens eine der folgenden Kriterien erfüllt:

  • ihre Mineralfilamente nicht lungengängig sind (also größer als 3 Mikrometer sind)
  • sie einen Kanzerogenitätsindex vom über 40 aufweist (also als nicht krebserregend eingestuft ist)
  • eine hohe Biolöslichkeit aufweist (die zu einer Halbwertszeit von maximal 40 Tagen im Körper führt)

Ob eine Glaswolle diesen Kriterien genügt, erkennst du übrigens am leichtesten am RAL-Gütezeichen mit Verweis auf die Richtlinie 97/69/EG.

Vor dem Jahr 2000 – und insbesondere vor 1996 – hergestellte Glaswolle darf heute laut der deutschen Gefahrstoffverordnung nicht mehr verbreitet oder verwendet werden.

10. Ist Glaswolle recycelbar?

Obwohl Glaswolle technisch zwar eigentlich recycelt – sprich eingeschmolzen – werden könnte, wird sie in aller Regel nicht recycelt und landet deshalb praktisch immer auf Mülldeponien.

Denn anders als anderer Abfall, der in Deutschland oft in Verbrennungsanlagen landet, kann Glaswolle und andere Mineralwolle nicht verbrannt werden (weil sie eben nicht brennbar ist).

Deswegen trägt Mineralwolle erheblich zur Abfallmenge auf Mülldeponien bei, weil es für sie keine Wiederverwertungsmöglichkeit oder andere Art der Entsorgung gibt.

Einige Produzenten nehmen alte Glaswolle übrigens zurück, wenn du bei ihnen neue Ware kaufst.

11. Ist Glaswolle Sondermüll?

Alte Glaswolle, die vor 1996 produziert wurde und damit krebserregend ist, zählt als Sondermüll und muss von speziellen Entsorgungsunternehmen entsorgt werden.

Neuere Glaswolle gilt zwar gesundheitlich als weitgehend unbedenklich und ist deswegen nicht mehr als Sondermüll eingestuft, darf aber dennoch nicht über den Hausmüll, sondern muss speziell entsorgt werden (mehr dazu weiter unten).

12. Ist Glaswolle Sperrmüll?

Nein, Glaswolle ist kein Sperrmüll, sondern zählt – je nach Herstellungsjahr – entweder als Sondermüll oder als Baustoffabfälle aus Mineralfasern, die speziell entsorgt werden müssen.

Obwohl sich die Regeln, was über den Sperrmüll entsorgt werden darf, im Detail von Gemeinde zu Gemeinde unterscheiden, dürfen Baustoffabfälle, Sondermüll, mineralische Abfälle oder sonstige gefährliche Abfälle generell nie in den Sperrmüll.

Zum einen würde der Entsorger die Glaswolle nicht mitnehmen, und dir würde zum anderen sogar laut Strafgesetzbuch eine Strafe drohen (§ 326 – „unerlaubter Umgang mit Abfällen“).

13. Wie lange ist Glaswolle haltbar?

Glaswolle ist extrem lange haltbar – aus praktischer Sicht quasi unbegrenzt lange. Deswegen finden sich auch in Altbauten noch oft Dämmungen aus Glas- oder Steinwolle, die in akkuratem Zustand ist.

Glaswolle ist nämlich wie alle Mineralwoll-Dämmstoffe völlig resistent gegen Schimmelbildung, Ungeziefer oder Fäulnis.

Weil sich Glaswolle als anorganischer Stoff auch nicht biologisch zersetzt, wäre höchstens dauerhafter mechanischer oder Witterungseinfluss in der Lage, sie über die Zeit zu zersetzen.

Aufgrund ihrer Verwendung als Dämmung ist Glaswolle aber in aller Regel hervorragend gegen Witterungseinflüsse geschützt und hält damit praktisch unbegrenzt lange.

14. Ist Glaswolle brennbar?

Nein. Glaswolle ist als absolut nicht brennbares Dämmmaterial geschätzt und weist eine Temperaturbeständig von ca. 700°C auf.

Steinwolle hat sogar eine noch höhere Temperaturbeständigkeit von ca. 1000°C und ist deshalb noch besser geeignet, wenn es um spezielle Dämmung zur Brandabschottung geht.

So oder so brennen aber weder Glas- noch Steinwolle – selbst bei überschreiten dieser Temperaturen – sondern schmelzen oder sintern lediglich.

15. Wie entsorge ich Glaswolle richtig?

Glaswolle darf genau wie Stein- oder Schlackenwolle nicht über den Hausmüll entsorgt werden.

Alte Mineralwolle fällt laut Abfallverzeichnis-Verordnung unter die Nummer 17 06 03 („Dämmmaterial, das aus gefährlichen Stoffen besteht“), neuere Mineralwolle unter 17 06 03 (nicht mehr als „gefährlich“ eingeordnet, aber dennoch gesondert zu entsorgen).

Glaswolle muss in speziellen KMF-Säcken (Künstliche Mineral-Fasern) entsorgt werden, die luftdicht und reißfest sind (normale Müllsäcke sind nicht geeignet).

Außerdem darfst du keine anderen Bauabfälle in diesen KMF-Säcken entsorgen, sondern ausschließlich die Glaswolle (das kann bei der Abgabe oder Abholung kontrolliert werden).

Kleine Mengen musst du zum Wertstoffhof in deiner Nähe bringen, größere Mengen müssen durch ein Entsorgungsunternehmen fachgerecht entsorgt werden.

16. Ist Glaswolle besser als Steinwolle?

Das hängt vom Einsatzzweck ab – Steinwolle hat ein höherer Eigengewicht als Glaswolle, ist also bei gleichem Volumen schwerer.

Außerdem ist Steinwolle dichter, weniger flexibel und weniger dehnbar als Glaswolle, was die Verarbeitung erschweren kann.

Auf der anderen Seite ist Steinwolle nochmal um einiges temperaturbeständiger als Glaswolle, was sie geeigneter macht, wenn es um maximalen Brandschutz geht.

Zudem leitet Steinwolle Temperatur noch weniger als Glaswolle und hat zudem eine höhere akustische Dämmung.

Gesundheitlich sind sowohl moderne Glas- als auch Steinwolle unbedenklich, wenn du sie von einem seriösen Hersteller kaufst.

17. Ist Glaswolle besser als Styropor?

Aus Umweltsicht ist Glaswolle in jedem Fall vorteilhafter, weil sie aus Altglas besteht, während Styropor aus Erdöl produziert wird, was starke Umweltverschmutzung verursacht.

Auch die Dämmwirkung von Glaswolle ist mindestens doppelt so hoch wie die von Styropor, zudem ist sie wesentlich leichter zu verarbeiten, da sie flexibel ist.

Außerdem ist Glaswolle nicht brennbar und völlig unempfindlich gegen Fäulnis und Schimmel – ganz anders bei Styropor.

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