Ist Modal umweltfreundlich? 10 wichtige Fakten, die du kennen solltest

Ist Modal umweltfreundlich? 10 wichtige Fakten, die du kennen solltest

zuletzt aktualisiert am 18 Juni 2022

Modal wird oft als umweltfreundliches und nachhaltiges Textil angepriesen.

Doch stimmt das wirklich?

Modal kann zwar tatsächlich ökologisch verträglich sein. Allerdings werden bei seiner Produktion immer giftige Chemikalien verwendet – ein verantwortungsvoller Umgang mit ihnen ist also entscheidend für die Umweltbilanz der Textilfaser Modal.

Wie du umweltfreundliches Modal erkennen kannst, und was du sonst noch über das moderne Material wissen musst, erfährst du jetzt.

1. Ist Modal eine Naturfaser?

Nein, auch wenn das oft verbreitet wird, zählt Modal nicht zu den Naturfasern, sondern ist eine Chemiefaser.

Denn trotz der Tatsache, dass Modal zu 100% aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen (nämlich Buchenholz) hergestellt wird, erfolgt die Herstellung industriell unter dem Einsatz diverser Chemikalien.

Das unterscheidet Modal von Naturfasern wie Baumwolle, Schurwolle oder Leinen, welche direkt in der Natur vorkommen und nicht chemisch hergestellt werden.

Modal zählt, genau wie Lyocell und Viskose, zu den sogenannten Cellulose-Regenerat-Fasern und ist damit eine Kunstfaser.

Wichtig ist jedoch, Modal von synthetischen Kunstfasern wie Polyester oder Acryl zu unterscheiden – denn diese werden zwar ebenfalls chemisch hergestellt (Chemiefasern), allerdings basieren sie nicht auf natürlichen Rohstoffen, sondern auf Erdöl.

2. Wird Modal umweltfreundlich hergestellt?

Die kurze Antwort ist, dass Modal grundsätzlich mit sehr gefährlichen Chemikalien hergestellt wird und auch immer umweltschädliche und hochgiftige Dämpfe dabei entstehen.

Allerdings kommt es entscheidend darauf an, wie mit diesen Prozess-Chemikalien und Nebenprodukten umgegangen wird – was in erster Linie am konkreten Hersteller, und in zweiter Linie am Produktionsland und den dort geltenden Umwelt- und Sicherheitsstandards liegt.

Ausführlich beschrieben wird der Herstellungsprozess von der TU Graz, vereinfacht zusammengefasst läuft er so ab:

Für Modal wird zunächst entrindetes und geschnitzeltes Buchenholz in ätzender Natronlauge eingeweicht wird, wodurch sich Alkalicellulose bildet.

Nach 1-2 Tagen wird die getrocknete Alkalicellulose dann im nächsten Schritt mit Schwefelkohlenstoff versetzt, wodurch zählflüssiges Cellulosexanthogenat – auch Viskose genannt – entsteht.

Um nun die letztendlich gewünschten Textilfasern zu bekommen, muss das Cellulosexanthogenat durch feine Düsen in ein sogenanntes „Spinnbad“ (auch Fällbad genannt) gepresst werden.

Das Spinnbad ist vereinfacht gesagt ein Bad aus Schwefelsäure und einigen anderen Chemikalien.

Durch die chemische Reaktion im Spinnbad ensteht nun die gewünschte Modal-Faser, die aus nahezu 100% Cellulose besteht.

Modal kann umweltverträglich hergestellt werden

Das Problem bei der Herstellung von Modal ist, dass bei der chemischen Reaktion im Spinnbad neben der Cellulose-Faser auch die äußerst umweltschädlichen, hochgiftigen und sogar tödlichen Nervengifte Schwefelkohlenstoff und Schwefelwasserstoff entstehen.

Es ist also absolut entscheidend, dass mit diesen Chemikalien verantwortungsvoll umgegangen wird und diese auf keinen Fall in die Umwelt gelangen.

Beispielsweise setzt der Weltmarktführer in der Produktion von Modal, Lyocell und Viskose – die österreichische Lenzing AG – ein Produktionsverfahren ein, bei dem die Chemikalien zu über 99% in einem geschlossenen Kreislauf wiederverwendet werden.

Und natürlich gelten in den Produktionsstandorten von Lenzing entsprechend hohe Sicherheitsstandards, um auch die Arbeiter vor den giftigen Chemikalien zu schützen.

Wie die Changing Markets Foundation berichtet, können Modal und Viskose durchaus umweltverträglich hergestellt werden – allerdings ist dafür ein verantwortungsvoller Umgang mit den gefährlichen Chemikalien notwendig.

Doch leider werden laut des Berichts diese giftigen Chemikalien in vielen Ländern oftmals fahrlässig als Abgase und Abwässer entsorgt, was die Luft und das Trinkwasser der lokalen Bevölkerung vergiftet und das Ökosystem zu Land und im Wasser schädigt.

Die Herstellung von Modal ähnelt sehr stark der von Viskose, lediglich die chemische Zusammensetzung des sogenannten „Spinnbads“ unterscheidet sich im Detail.

Deshalb gelten die gleichen Umweltaspekte und -gefahren für beiden Cellulose-Fasern. Lediglich die neuere Lyocell-Faser ist wesentlich umweltfreundlicher (hier erfährst du mehr darüber).

3. Ist Modal umweltschädlich?

Modal als fertige Textilfaser ist absolut nicht umweltschädlich, da sie zu 100% aus Cellulose besteht.

Wie du jetzt bereits weißt, werden bei der Produktion zwar sehr gefährliche Chemikalien verwendet – allerdings bleibt davon nach der Produktion nichts in oder an den Fasern zurück.

Wichtig ist natürlich zudem, ob Modal mit anderen Textilfasern vermischt wurde – wie es durchaus oft gemacht wird.

Solange die anderen Fasern ebenfalls Cellulose-Regeneratfasern wie Lyocell oder Naturfasern wie Baumwolle oder Leinen sind, bleibt die Umweltverträglichkeit natürlich weiterhin uneingeschränkt.

4. Ist Modal gesundheitsschädlich?

Nein, Modal besteht ausschließlich aus unbedenklicher Cellulose, die aus Buchenholz gewonnen wird.

Von Modalfasern gehen also keinerlei Gefahr für deine Gesundheit aus, solange das Textil nicht mit möglicherweise synthetischen Farbstoffen versetzt wurde, die eventuell allergen wirken könnten.

5. Ist Modal biologisch abbaubar?

Absolut, also eine aus natürlichen Rohstoffen gewonnene Textilfaser ist Modal problemlos biologisch abbaubar.

Weil Modal komplett aus Cellulose besteht, wie es auch in normalem Holz oder Papier vorkommt, wird es sehr leicht von Mikroorganismen zersetzt.

6. Ist Modal kompostierbar?

Ja, Modal-Fasern und Textilien lassen sich sogar kompostieren, da Kompostierung letztlich einfach vom Menschen beschleunigter biologischer Abbau ist.

Du kannst pures Modal sogar über deinen heimischen Kompost entsorgen. Allerdings dauert die vollständige Zersetzung dort natürlich etwas länger als in einer industriellen Kompostierungsanlage.

In wenigen Wochen oder Monaten wird aber nichts mehr von dem Modal-Textil übrig bleiben, es zersetzt sich schadstofffrei.

Wichtig ist natürlich, dass das Kleidungsstück nicht mit synthetischen Kunstfasern vermischt ist, da diese nicht kompostierbar sind.

7. Ist Modal nachhaltig?

Wie nachhaltig Modal ist, hängt im Wesentlichen von zwei Punkten ab:

  • Der Ursprung des Holzes
  • Ein verantwortungsvoller Herstellungsprozess

In Europa in den meisten westlichen Ländern stammt das für Modal verwendete Buchenholz praktisch immer aus nachhaltiger, zertifizierter Forstwirtschaft.

Der größte Hersteller von Modal – die Lenzing AG – bezieht beispielsweise ihr Holz ausschließlich aus solchen nachweislich nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.

Ohnehin werden in Deutschland und praktisch überall in Europa schon seit Jahrhunderten die Wäldern nachhaltig bewirtschaftet, Raubbau gibt es hierzulande deshalb nicht.

Der zweite wichtige Aspekt für nachhaltiges Modal ist die Produktion an sich – wie du weiter oben gelesen hast, werden dabei nämlich sehr gefährliche Chemikalien verwendet und es fallen hochgiftige Dämpfe und Abwässer an.

Verantwortungsvolle Hersteller wie Lenzing entsorgen diese Abwässer und Abgase nicht einfach in die Umwelt, sondern bereiten sie auf und verwenden sie in einem nahezu geschlossenen Kreislauf wieder. Dafür wurde die Firma bereits mit dem Umweltpreis der EU ausgezeichnet.

Wenn diese beiden Aspekte erfüllt wurden, ist Modal ein sehr nachhaltiger Stoff, da er aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und vollständig biologisch abbaubar ist.

Solch nachhaltig hergestelltes Modal vertreibt Lenzing übrigens unter dem Markennamen Tencel-Modal.

8. Ist Modal vegan?

Ja, als aus Holz gewonnene Textilfaser ist Modal absolut vegan, da weder tierische Inhaltsstoffe bei der Produktion verwendet werden, noch Tierversuche durchgeführt werden.

Und anders als manche Naturfasern wie Schurwolle stammt Modal auch nicht von Tieren.

9. Ist Modal Viskose?

Nein, Modal unterscheidet sich im Detail von Viskose – generell sind aber sowohl die Fasern als auch ihre Herstellung sehr ähnlich.

Tatsächlich sind weite Teile des Produktionsprozesses komplett identisch.

Im Wesentlichen unterscheiden folgende 2 Merkmale Modal von Viskose:

  1. Modal besteht immer zu 100% aus Buchenholz (Viskose auch aus anderen Hölzern)
  2. die chemische Zusammensetzung des Spinnbads unterscheidet sich leicht (siehe weiter oben im Abschnitt „Herstellung“)

Die Produktion von Modal und Viskose sind so ähnlich, dass jeder Hersteller des einen Materials auch das andere herstellen kann (und meist auch tut).

10. Ist Modal besser als Baumwolle?

Aus Umweltsicht ist Modal dann besser als Baumwolle, wenn es von einem Hersteller stammt, der ein umweltverträgliches und nachhaltiges Produktionsverfahren verwendet.

Denn obwohl Modal einiges mehr an Wasser und Energie als Lyocell verbraucht, ist insbesondere der Wasserverbrauch von Baumwolle nochmal um ein Vielfaches höher.

Zudem werden erhebliche Mengen an Pestiziden und Insektiziden für den Anbau von Baumwolle benötigt, was für den Rohstoff von Modal – Buchenholz – nicht der Fall ist.

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