Warum ist nachhaltiger Tourismus wichtig? (+ 8 Praktische Tipps)

Tobias Durant

Urlaubsreisen sind nicht nur eine tolle Möglichkeit, die Welt kennenzulernen und einmal so richtig auszuspannen.

Sie stellen auch ein Milliardengeschäft dar. Schätzungen zufolge ist jeder 11. Mensch auf dieser Welt im Tourismus beschäftigt – Tendenz steigend.

Während der wirtschaftliche Nutzen des Tourismus unbestreitbar ist, werden jedoch auch negative Folgen sichtbar:

Viele Urlaubsparadiese ersticken im Müll. Flugzeuge stoßen riesige Mengen an CO2 aus, der Bau von Hotelanlagen verändert ganze Landstriche, und nicht immer genügen die Arbeitsbedingungen am Urlaubsort sozialen Standards.

Der nachhaltige Tourismus hat es sich zum Ziel gemacht, diesen Problemen zu begegnen.

Was diese relativ junge Form des Reisens ausmacht und warum nachhaltiger Tourismus so wichtig ist, verraten wir dir in diesem Artikel.

Was macht nachhaltigen Tourismus aus?

Nachhaltiger Tourismus, sanfter Tourismus, Öko-Tourismus – oftmals werden diese Begriffe synonym verwendet.

Auch reduzieren viele Menschen das Thema Nachhaltigkeit auf den Umweltschutz.

Und das ist nicht ganz falsch: Ökologische Verträglichkeit spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, das Reisen nachhaltiger zu gestalten.

Jedoch lässt sich nachhaltiger Tourismus noch weiter fassen.

Das zeigen die Kriterien der Welttourismusorganisation (UNWTO). Dieses Organ der Vereinten Nationen versteht nachhaltigen Tourismus unter folgenden Gesichtspunkten:

Ökologische Komponente

Nachhaltiger Tourismus ist ein Tourismus, der Schäden für die Umwelt möglichst gering hält.

Dazu gehört ein schonender Umgang mit Energie und Ressourcen genauso wie die Erhaltung von natürlichen Lebensräumen und das Vermeiden von CO2-Emissionen.

Soziale Komponente

Nachhaltiger Tourismus soll laut der UNWTO gewinnbringend für alle Beteiligten sein.

Das umfasst beispielsweise faire Arbeitsbedingungen, angemessene Löhne, Sozialleistungen und Mitbestimmung für Menschen, die im Tourismus beschäftigt sind.

Auf diese Weise soll nachhaltiger Tourismus einen Beitrag zur Bekämpfung der globalen Armut leisten.

Kulturelle Komponente

Durch nachhaltigen Tourismus sollen die kulturellen Traditionen des Reiselandes bewahrt werden.

Idealerweise findet ein Austausch zwischen Urlaubern und Einheimischen statt, der zur interkulturellen Verständigung und mehr Toleranz beiträgt.

Gleichzeitig soll die Autonomie lokaler Gemeinschaften durch Einnahmen aus dem Tourismus gestärkt werden.

5 Gründe, warum nachhaltiger Tourismus wichtig ist

Betrachtet man die oben genannten Kriterien der UNWTO, wird schnell klar, warum nachhaltiger Tourismus so wichtig ist und in Zukunft noch an Bedeutsamkeit gewinnen dürfte:

1. Verringerung von CO2-Emissionen

Studien zufolge ist der Tourismus global für bis zu 8 % der Treibhausgase verantwortlich – ein hoher Wert, wenn man bedenkt, dass nur 3 % der Weltbevölkerung überhaupt in der Lage ist, Urlaub zu machen.

Motorisierte Reisen sind dabei der Hauptgrund für den hohen CO2-Ausstoß – allen voran das Fliegen.

Der International Council on Clean Transportation (ICCT) ermittelte 2018, das ganze 2,5 % aller weltweiten CO2-Emissionen von Flugzeugen verursacht werden.

Dazu kommen Schadstoffe wie Stickoxide, die die Luftqualität beeinflussen. Und sogar die harmlos scheinenden Kondensstreifen wirken sich nachweisbar auf die Erderwärmung aus.

Aus diesen Gründen sind sich Umweltschützer einig:

Im Sinne des nachhaltigen Tourismus sollten Urlauber wenig oder gar nicht fliegen.

Viel energiesparender und mit weniger CO2-Ausstoß verbunden sind Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder Bahn.

Wer noch mehr für das Klima tun will, sollte Wander- oder Fahrradtouren unternehmen.

Weniger bekannt ist: 20 % der touristisch bedingten CO2-Emissionen fallen in Beherbergungsbetrieben an.

Auch hier sind darum Einsparungen nötig: z. B. durch grüne Energien, effektive Wärmedämmung und sparsamen Stromverbrauch.

Eine klimafreundliche Alternative stellen beispielsweise Bio-Hotels dar, die aus Naturmaterialien erbaut werden und ihren Strom aus eigenen Solarzellen beziehen.

Schonender Umgang mit Wasser

Viele Menschen verbringen ihren Urlaub gerne dort, wo es warm und sonnig ist.

Doch gerade diese Regionen leiden immer häufiger unter knappem Trinkwasser.

Wenn Massen von Touristen mit der einheimischen Bevölkerung um die Ressource Wasser konkurrieren müssen, ziehen letztere oftmals den Kürzeren. Beispiele gefällig?

  • Auf der Ferieninsel Mallorca herrschte im Jahr 2019 eine bedenkliche Wasserknappheit, während Unmengen an Wasser in Swimmingpools verschwendet wurden. Immer seltenere Regenfälle verschärfen dieses Problem noch.
  • Auf Bali verbrauchen Hotels ganze 65 % des Wassers, sodass Bauern ihre Reisfelder nur noch eingeschränkt bewässern können.
  • Und auch in Costa Rica nimmt der Hotelbau zunehmend mehr Wasser in Anspruch. Als Folge kommt es zur Versalzung von Brunnen – eine Katastrophe für die einheimische Bevölkerung.

Wenn Wasser für Touristen aufwändig herbeigeschafft oder aus dem Meer gewonnen werden muss, steigt der Energiebedarf, und damit die CO2-Emissionen.

Gleichzeitig stellt die Entsorgung von Abwässern ein Problem für die Umwelt dar.

Aus diesen Gründen ist der schonende Umgang mit Wasser ein Hauptanliegen des nachhaltigen Tourismus.

So soll sichergestellt werden, dass nicht nur Urlauber, sondern auch Einheimische ihren Bedarf langfristig stillen können.

Vermeidung von Abfällen

Der Massentourismus bringt neben urlaubsfreudigen Menschen vor allem eines mit sich: Massen an Müll.

So werden beispielsweise auf den Malediven ein Viertel aller Abfälle von Touristen verursacht. Noch höher ist der Wert in Indien und der Dominikanischen Republik.

Doch wir müssen gar nicht so weit in die Ferne schweifen: Auch Mallorca, die beliebte Ferieninsel der Deutschen, leidet seit Jahren unter einem Müllproblem.

Das alleine wäre schon bedenklich. Noch problematischer ist es jedoch, wenn die Abfälle im Urlaubsland nicht ordnungsgemäß entsorgt werden.

Viel Müll landet unachtsam in der Natur oder im Meer. Das ist besonders bei Plastik fatal, da Meerestiere die Kunststoff-Partikel fressen und verhungern oder an einer Vergiftung erkranken.

Die schädlichen Auswirkungen von Kunststoffen haben wir bereits in diesem Artikel aufgezeigt.

Schon jetzt beklagen Umweltschützer wie der WWF eine Plastikflut, die sich vor allem an den Küsten des Mittelmeers zeigt.

Und der synthetische Abfall ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern mindert auch die Attraktivität von Urlaubszielen – verständlich, denn wer möchte schon gerne inmitten von Mülltüten und alten Plastikbechern schwimmen?

Um diese Negativfolgen zu vermeiden, bemüht sich nachhaltiger Tourismus, Abfälle zu vermeiden.

Bereits heute verzichten manche Hotels auf Einwegartikel: so etwa das Resort Constance Ephélia auf den Seychellen, wo PET-Flaschen durch mehrfach befüllbare Glasflaschen ersetzt wurden.

Auch das Recycling leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit. In vielen Unterkünften werden die Abfälle gesammelt, damit möglichst viel davon wiederverwertet werden kann.

Noch weiter gehen Hotels, die das sogenannte Upcycling unterstützen.

Ein Beispiel dafür ist das Hotel „Alles paletti“ in Rostock: Dort bestehen die Möbel komplett aus wieder verwendetem Material wie Paletten, alter Kleidung und Mülltonnen.

Mit diesem kreativen Konzept lässt sich nicht nur das Abfallaufkommen, sondern auch der Energieverbrauch für neue Produkte senken.

Schonende Bauweise gegen Umweltschäden

Nachhaltiger Tourismus ist laut der UNWTO ein Tourismus im Einklang mit natürlichen und kulturellen Gegebenheiten. Das betrifft unter anderem die Bauweise.

Wir alle kennen wohl als Negativbeispiele mehrstöckige „Bettenburgen“ aus Beton, die das Erscheinungsbild von Stränden verschandeln und so gar nicht zur einheimischen Architektur passen.

Aber der Bauboom in Touristenorten bringt nicht nur ästhetische Probleme.

Hotelanlagen benötigen große Flächen, für die natürliche Lebensräume vernichtet werden müssen. Und auch die Beschaffenheit des Bodens verändert sich durch Hotelbauten.

Klimafolgen wie Dürren und Überschwemmungen sind das Resultat, wenn Böden in großem Stil versiegelt werden.

Beim nachhaltigen Hotelbau fügen sich die Unterkünfte dagegen harmonisch in die Landschaft, sodass der Eingriff in die Umwelt minimal bleibt.

Naturmaterialien wie Holz und Bambus erfreuen sich großer Beliebtheit, da sie zu 100 % abbaubar sind und wieder verwendet werden können.

  • Ein Beispiel dafür ist die Thala Beach Nature Reserve im australischen Port Douglas: Dort schlafen Urlauber in ökologisch gefertigten Baumhäusern, die komplett aus Holz bestehen.

Noch weiter gehen mobile Unterkünfte wie das Roving Bushtops Camp in Tansania. Diese Safari-Lodge lässt sich je nach Bedarf auf- und abbauen, ohne Spuren in der Landschaft zu hinterlassen.

Auch schwimmende Hotels stellen eine Möglichkeit dar, den Eingriff in die Natur zu minimieren: so z. B. die 4 Rivers Lodge in Kambodscha, die aus recycelbaren Plattformen auf dem Wasser besteht.

Vorteile für die einheimische Bevölkerung

Besonders in Schwellenländern wie Thailand, Mexiko, Jamaika oder der Dominikanischen Republik sind zahlreiche Menschen im Tourismus beschäftigt.

Oft jedoch landen die Einnahmen nicht bei der lokalen Bevölkerung, sondern in den Taschen ausländischer Investoren und Hotelketten.

Wie bereits beschrieben, zielt nachhaltiger Tourismus darauf ab, alle Beteiligten an den Einnahmen zu beteiligen und so die Wirtschaft vor Ort zu stärken.

Dieses Ziel lässt sich auf verschiedenen Wegen erreichen:

Etwa indem die Einheimischen nicht nur als schlecht bezahlte Service-Kräfte, sondern auch im Management beschäftigt werden.

Wenn Hotels Produkte vor Ort für ihre Gäste kaufen, unterstützen sie die einheimische Wirtschaft.

Und schließlich leistet auch die Bereitstellung von Infrastruktur und Bildungsmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zur sozialen Nachhaltigkeit.

Positive Beispiele gibt es bereits jetzt zur Genüge:

  • Das indonesische Hotel Nihi Sumba Island unterstützt lokale Sozialprojekte, investiert in die Grundschulbildung einheimischer Kinder und engagiert sich bei der Bekämpfung von Malaria.
  • Das Resort Spice Village in Südindien bietet Einheimischen die Möglichkeit, als Touristenführer zu arbeiten und so ihre Familien zu unterstützen.
  • Hilfe zur Selbsthilfe steht bei den Sozialprojekten des Meliá Zanzibar im Vordergrund. Dieses Resort finanziert Kurse, bei denen die Einheimischen in landwirtschaftlichen Techniken unterrichtet werden.

Welchen Anteil hat nachhaltiger Tourismus?

Das Konzept der Nachhaltigkeit spielt in den Köpfen von Urlaubern eine wichtige Rolle. 

Gleichzeitig stellt nachhaltiges Reisen immer noch eine Randerscheinung dar. Diese Diskrepanz lässt sich durch einige Zahlen verdeutlichen:

Laut einer Befragung des Bundesumweltministeriums legten im Jahr 2014 31 % aller Urlauber wert auf eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Gestaltung ihres Urlaubs. Für 38 % der Befragten spielte auch die soziale Nachhaltigkeit eine große Rolle.

Bei derselben Umfrage sprachen sich im Jahr 2019 sogar 61 % der Urlauber für nachhaltigen Tourismus aus.

Gleichzeitig gaben nur 2–6 % der Befragten an, bei Flugreisen einen Aufpreis für die Kompensation von CO2-Emissionen zu bezahlen.

6–8 % wählten ihr Reiseangebot gezielt nach Gütesiegeln für nachhaltigen Tourismus aus, und nur 4 % sahen Nachhaltigkeitskriterien als „ausschlaggebend“ für ihre Urlaubsplanung.

Das Bundesumweltamt stellt außerdem fest, dass die Distanz bei Flugreisen in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat – und das, obwohl 70 % aller Deutschen eine höhere Kerosinsteuer befürworten, um Fliegen weniger attraktiv zu machen.

Diese Zahlen zeigen exemplarisch: Auch wenn die meisten Urlauber Nachhaltigkeits-Konzepte befürworten, entscheiden sie sich nicht selbst für nachhaltigen Urlaub.

Ein Grund dafür: Reisende assoziieren nachhaltigen Tourismus immer noch mit hohen Kosten. Im nächsten Abschnitt wollen wir uns genauer ansehen, ob das wirklich zutrifft.

Ist nachhaltiger Tourismus teurer?

Nachhaltiger Tourismus ist ein weites Feld. Um die Frage der Kosten zu beantworten, lohnt es sich also, einzelne Aspekte gesondert zu betrachten:

Unterkünfte

In der Tat sind umweltfreundliche Unterkünfte oftmals teurer als herkömmliche Hotels.

Schließlich wollen innovative Anlagen zur Energieversorgung, gründliches Recycling und die Zertifizierung mit Gütesiegeln bezahlt werden. Die faire Entlohnung der Mitarbeiter spiegelt sich ebenfalls im Preis wider.

Andererseits gibt es auch Unterkünfte, die nachhaltig und gleichzeitig günstig sind: eine Unterbringung bei Gastfamilien beispielsweise; oder ein Bett im Hostel-Schlafsaal.

Auch das Camping mit Zelt stellt eine nachhaltige und preiswerte Möglichkeit der Übernachtung dar.

Wie du siehst, lässt sich nur von der Nachhaltigkeit einer Unterkunft nicht automatisch auf den Preis schließen.

Transportkosten

Urlaub vor der Haustür ist nicht nur nachhaltiger als das Reisen in ferne Länder, sondern auch deutlich günstiger.

Statt hunderte Euro für ein Flugticket zu bezahlen, könntest du beispielsweise einen Städtetrip mit dem Fernbus unternehmen.

Oder du erkundest deine Heimat auf eine Wanderreise bzw. Radtour und musst überhaupt nichts für den Transport bezahlen.

Vor allem in Zeiten steigender Energiepreise sind diese Formen des Reisens auch finanziell äußerst attraktiv.

Freizeitaktivitäten

Egal ob zuhause oder in fernen Ländern – nachhaltige Freizeitaktivitäten sind oftmals deutlich günstiger als massentouristische Angebote.

Dafür hältst du dir am besten vor Augen, wie viel du im Ausland für Freizeitparks, Golfplätze, motorisierte Safaris, Bootstouren oder Erlebnisbäder zahlen musst. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Im Vergleich dazu sind Aktivitäten wie Wandern oder Radfahren, aber auch Städtetrips und das Erkunden von kulturellen Sehenswürdigkeiten nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch wesentlich günstiger.

Und nicht nur das: Oft trägst du mit deinem Obolus sogar zum Erhalt von Naturschutzgebieten und Kulturschätzen bei.

Hat nachhaltiger Tourismus Nachteile?

Wie wir gezeigt haben, kann nachhaltiger Tourismus viele Schäden vermeiden, die von der traditionellen Reiseindustrie verursacht werden.

Trotzdem: Ein Tourismus ganz ohne negative Auswirkungen erscheint utopisch. Das sollen einige Beispiele verdeutlichen:

  • Durch umweltfreundliche Transportmittel lassen sich Energiekosten und CO2-Emissionen senken. Doch auch dafür gibt es eine Grenze:

Reisebusse und Züge fahren nicht ohne Treibstoff, für Fahrradreisen ist Zubehör nötig, das extra produziert werden muss.

Und selbst Wanderreisen kommen nicht ohne Energieverbrauch aus: Neue Schuhe, Mückenspray, Zelte – all diese Produkte verschlingen Ressourcen.

Komplett Energie-neutrales Reisen ist also unmöglich.

  • Oftmals ist nicht das Verhalten der Urlauber das Problem, sondern ihre Zahl.

Solange beispielsweise nachhaltige Unterkünfte nur eine kleine Gruppe von Gästen ansprechen, sind Themen wie Energieversorgung und Abfall kein Problem.

Anders würde es aussehen, wenn sich mehr Menschen für diese Form des Reisens entscheiden.

Eventuell müssten Konzepte der Nachhaltigkeit zugunsten der Massenkompatibilität angepasst werden.

  • Auch aus sozialer Sicht ist nachhaltiger Tourismus ein zweischneidiges Schwert.

So ist es durchaus löblich, wenn Urlauber Produkte vor Ort kaufen, um die Wirtschaft zu unterstützen.

Geschieht dies jedoch in hohem Maße, können Preissteigerungen durch höhere Nachfrage die Folge sein.

Darunter leidet unter Umständen die weniger kaufkräftige einheimische Bevölkerung.

  • Apropos Kaufkraft: Faire Löhne für die Beschäftigten ist ein Hauptanliegen des nachhaltigen Tourismus.

Werden Angestellte im Reisesektor jedoch deutlich besser bezahlt als andere Berufsgruppen, kann das zu Ungleichheiten in der Gesellschaft führen.

Eventuell werden traditionelle Wirtschaftszweige dadurch weniger attraktiv und gehen verloren.

Die Corona-Krise 2020/21 zeigt auf bedrückende Art und Weise, welche Probleme sich durch eine einseitige Abhängigkeit vom Tourismus ergeben können – wie nachhaltig dieser auch sein mag.

  • Nachhaltiger Tourismus setzt unter anderem darauf, kulturelle Traditionen im Zielland zu bewahren.

Und natürlich spricht nichts dagegen, Touristen das landestypische Brauchtum näherzubringen. Probleme entstehen jedoch, wenn dieses Brauchtum stark kommerzialisiert wird.

Ein Beispiel sind Volkstänze und Rituale, die für Urlauber aufgeführt und damit aus ihrem natürlich gewachsenen Kontext gerissen werden.

Hier besteht die Gefahr, dass sich die Landeskultur dem Geschmack und den Bedürfnissen von Touristen anpasst (statt andersherum).

Diese Beispiele zeigen: Viele Probleme des Tourismus entstehen durch die schiere Zahl an Reisenden. Bis jetzt stellt nachhaltiges Reisen eine Randerscheinung dar.

Ob sich diese Form des Tourismus jedoch auch mit großen Urlauberzahlen verbinden lässt, ohne ihre Nachhaltigkeit zu verlieren, bleibt abzuwarten.

Bedeutet nachhaltiger Tourismus weniger Reisen?

Wer sich die Umweltschäden durch touristische Reisen ansieht, könnte leicht zu dem Schluss kommen: Gar nicht oder weniger zu verreisen ist das Beste für unseren Planeten – zumindest aus ökologischer Sicht.

Allerdings sollte man bei dieser Überlegung die soziale Komponente der Nachhaltigkeit nicht außer Acht lassen.

Schätzungen zufolge hängt jeder elfte Arbeitsplatz auf dieser Welt am Tourismus.

In manchen Ländern machen die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr sogar bis zu 20 % des Bruttoinlandsprodukts aus.

Ein Ausbleiben der Touristen würde also zahlreichen Menschen ihre Lebensgrundlage entziehen.

Armut, soziale Ungleichheit und sogar politische Instabilität wären die Folge – besonders in Ländern, die keine mit Deutschland vergleichbaren Sozialsysteme aufweisen.

Dazu kommt: Touristen verursachen nicht nur Umweltschäden, sondern tragen auch zu deren Behebung bei.

Zahlreiche Naturschutzgebiete finanzieren sich aus Mangel an staatlichen Hilfen allein durch ausländische Besucher – man denke nur an den Safari-Tourismus in Afrika.

Ohne diese Schutzmaßnahmen wären Wilderei und Raubbau an natürlichen Lebensräumen Tür und Tor geöffnet. Nicht umsonst verzeichneten afrikanische Länder eine Zunahme der illegalen Jagd, als die Touristenzahlen im Corona-Jahr 2020 einbrachen.

Diese Punkte zeigen bereits: Ein kompletter Verzicht auf den Fremdenverkehr wäre aus sozialer und ökologischer Sicht genauso wenig im Sinne der Nachhaltigkeit wie ein ungezügelter Massentourismus.

8 Tipps, wie du ein nachhaltiger Tourist wirst

Nachhaltiger Tourismus ist ein Konzept, das sich auf allen Ebenen umsetzen lässt: von den politischen Entscheidungsträgern über Hotels und Reiseanbietern bis zum Endverbraucher.

Folgende Tipps können dir dabei helfen, nachhaltiger zu verreisen:

1. Wie wäre es statt einer teuren und Energie-intensiven Flugreise einmal mit Urlaub in deiner Region? So sparst du nicht nur Geld, sondern hilfst auch dabei, CO2-Emissionen zu senken.

2. Apropos CO2-Emissionen: Wenn es schon ein Flug sein muss, solltest du darauf achten, deinen Effekt auf das Klima mit einer Zahlung zu kompensieren.

So unterstützt du Klimaschutzprojekte und kannst deinen ökologischen Fußabdruck zumindest ein wenig verbessern.

3. Auch wichtig bei Flugreisen: Verzichte auf übermäßiges Gepäck. Wenn du mit leichtem Gewicht reist, reduzierst du den Kerosinbedarf des Fliegers und damit auch die CO2-Emissionen. Außerdem kannst du so noch Geld beim Ticketkauf sparen.

4. Im Urlaubsland angekommen, solltest du auf Inlandsflüge verzichten. Wie wäre es stattdessen mit einer Zugreise?

Diese nimmt mehr Zeit in Anspruch, bietet dir jedoch authentische Einblicke in die Alltagskultur des Landes.

Für Kurzstrecken solltest du Bussen den Vorzug vor Taxis und Mietwagen geben – natürlich nur, wenn die öffentlichen Transportmittel auch sicher für Touristen sind.

5. Viele Umweltschäden entstehen, wenn die Zahl der Touristen zu groß wird. Darum lohnt es sich, auf Geheimtipps zurückzugreifen.

Diese kosten oft mehr, bieten jedoch eine entspanntere und authentischere Reiseerfahrung.

Auch wenn du abseits der Hauptsaison reist, kannst du helfen, die negativen Effekte des Massentourismus zu minimieren.

6. Auch im Urlaub gilt: Versuche, Abfall zu vermeiden – vor allem in Ländern, die es mit der Mülltrennung weniger genau nehmen.

Verwende Trinkflaschen mehrmals, verzichte auf Coffee to go und kaufe unverpackte Waren.

Informiere dich über die Abfallentsorgung vor Ort: Wenn es z. B. im Zielland keine Möglichkeit gibt, Batterien zu recyceln, solltest du diese wieder mit nach Hause nehmen.

7. Besonders an trockenen, heißen Orten solltest du dabei helfen, Wasser zu sparen – und etwa auf langes Duschen verzichten.

Benutze Handtücher mehrere Tage lang und frage dich, ob ein Hotel mit Swimmingpool wirklich nötig ist, wenn das Meer nur ein paar Meter entfernt liegt.

Auch Golfplätze sind wenig nachhaltig, da sie oft mehr Wasser verbrauchen als ganze Dörfer.

8. Um die Wirtschaft an deinem Urlaubsort zu stärken, solltest du regionalen Hotels den Vorzug vor internationalen Hotelketten geben.

Dasselbe gilt für Restaurants und Geschäften, die von Einheimischen geführt werden.

Außerdem kannst du dein Hotel gezielt danach auswählen, ob es sich für Sozialprojekte in der Region engagiert.

Fazit

Nachhaltiger Tourismus ist ein facettenreiches Konzept, von dem neben der Umwelt auch die Beschäftigten profitieren – genau wie die Urlauber selbst.

Dabei muss man zwischen zwei Formen unterscheiden:

Organisierter nachhaltiger Tourismus, etwa in Bio-Hotels oder ökologisch errichteten Lodges, stellt immer noch eine Randerscheinung dar. Zu hoch sind vielen Verbrauchern die damit verbundenen Kosten.

Jedoch gibt es auch Formen des nachhaltigen Reisens, die du ganz einfach selbst umsetzen kannst: z. B. Ausflüge in die Region statt Flüge um die ganze Welt, Camping statt Luxus-Hotel mit Pool, oder Rucksackreisen statt All-Inclusive.

Dabei entscheidest du selbst, auf wie viel Nachhaltigkeit du im Urlaub Wert legen willst.

Jeder Beitrag zählt, damit auch nachfolgende Generationen die Schönheit dieser Erde beim Reisen kennenlernen können.

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