Ist Melamin umweltfreundlich? 7 Fakten, die du wissen solltest

Florian

Campinggeschirr, bunte Teller, Besteck oder Tassen – all diese Haushaltsprodukte werden gerne aus Melaminharz – oft einfach Melamin genannt – hergestellt.

Allerdings ist Melaminharz nicht nur gesundheitlich bedenklich, sondern auch schlecht für unsere Umwelt.

Denn es kann – im Gegensatz zu anderen Kunststoffen wie etwa Polypropylen oder Polyethylen – nicht recycelt werden und landet deshalb entweder in der Müllverbrennung oder auf Deponien.

Was du über Melamin wissen musst, erfährst du jetzt.

1. Was genau ist Melamin eigentlich?

Melamin ist eine feste Stickstoffverbindung (C3H6N6), aus welcher zusammen mit Formaldehyd sogenanntes Melaminharz hergestellt wird.

Aufgrund seiner chemischen Bausteine wird Melaminharz oft auch Melamin-Formaldehyd-Kondensationsharz genannt.

Melaminharz wird vorrangig zur Herstellung folgender Produkte verwendet:

  • Essbesteck
  • Teller, Becher, Tassen, Schüsseln
  • Campinggeschirr
  • Küchenutensilien
  • Beschichtung von Möbeln
  • Melaminharzschaum (z.B. in Tonstudios oder Kinos)
  • Flammschutzmittel (als Cyanursäure, ein Salz von Melamin)

Insbesondere als Geschirr wird es aufgrund seiner Bruchfestigkeit und Langlebigkeit oft verwendet.

Küchenutensilien und Geschirr aus Melaminharz sind hart, haben eine glatte Oberfläche und lassen sich leicht mit bunten Farben oder Motiven versehen, was sie besonders als Kindergeschirr beliebt macht.

2. Ist Melamin umweltschädlich?

Melamin wird industriell aus Harnstoff gewonnen, welcher wiederum aus Erdgas hergestellt wird.

Alleine schon die Förderung von Erdgas ist bekanntlich sehr umweltschädlich und setzt speziell bei der Gewinnung durch Fracking das sehr klimaschädliche Methan frei.

Die Weiterverarbeitung zu Harnstoff erfordert viel Energie, welche überwiegend aus fossilen Energieträgern gewonnen wird und somit erneut Umweltschäden nach sich zieht.

Auch die Herstellung des zweiten Bausteins von Melaminharz – des Formaldehyds – ist ein sehr energieintensiver Prozess der Chemieindustrie.

Fertiggestellte Melaminprodukte haben zwar eine relativ lange Lebensdauer, was ihre Umweltbilanz zumindest aus diesem Aspekt besser ausfallen lässt als Wegwerf-Produkte aus Kunststoff.

Allerdings bleibt bei Melamin das große Problem der Umweltverschmutzung am Ende seiner Nutzungsdauer, da für Melaminprodukte keinerlei geschlossener Wertstoffkreislauf besteht.

Deshalb landen Melaminprodukte praktisch immer entweder in Müllverbrennungsanlagen unter Freisetzung umweltschädlicher Emissionen, oder sie landen auf Mülldeponien oder in freier Natur wie unseren Meeren.

Da Melaminharz nicht biologisch abbaubar ist, trägt es in den letzteren beiden Fällen auf unbestimmt lange Zeit zur Umweltverschmutzung bei.

3. Ist Melamin nachhaltig?

Nein, weder Melamin als Ausgangsstoff, noch daraus hergestellte Melaminharze sind in irgendeiner Weise als nachhaltig anzusehen.

Das liegt zum einen daran, dass ein wesentlicher Rohstoff für die Herstellung Erdgas ist, welches als endliche, nicht erneuerbare Ressource direkt dem Gedanken der Nachhaltigkeit widerspricht.

Auch die Förderung von Erdgas erfolgt nicht nachhaltig und richtet große Schäden in den Landschaften an, erfordert den Einsatz giftiger Chemikalien (insbesondere beim Fracking) und verursacht klimaschädliche Emissionen.

Die eigentliche Herstellung von Melamin sowie Melaminharz ist zwar im Vergleich zu manch anderen Kunststoffen oder synthetischen Harzen wie etwa PVC oder Acryl nicht wesentlich schlechter – aber erfordert dennoch viel Energie (aus fossilen Quellen) und gefährliche Chemikalien.

Zu guter Letzt sind Melaminprodukte zwar langlebig, was sie zumindest aus diesem Aspekt etwas nachhaltiger macht als Einweg-Produkte aus Kunststoff.

Allerdings halten auch Melaminprodukte nicht ewig oder werden bei Nichtgefallen frühzeitig entsorgt.

Weil Melaminharze jedoch weder biologisch abbaubar noch recycelbar sind, müssen sie entweder verbrannt werden oder tragen auf unbestimmte Zeit zur Verschmutzung der Natur bei.

4. Ist Melamin giftig?

Produkte aus Melaminharz gelten zwar bei „kalter“ Verwendung als unproblematisch – wenn sie also weder erhitzt werden noch mit heißen Lebensmitteln oder Flüssigkeiten in Kontakt kommen.

Doch es ist mittlerweile erwiesen, dass sich die bedenklichen chemischen Komponenten Melamin und Formaldehyd bereits ab 70°C aus dem Melamingeschirr lösen.

Formaldehyd ist schleimhautreizend und allergieauslösend und wird in der EU als potenziell krebserzeugende Substanz angesehen.

Im Jahr 2017 wurde Melamin von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation als vermutlich krebserregend eingestuft.

Sowohl Melamin als auch Formaldehyd sind in Tierversuchen nachweislich krebsfördernd und verursachen vielfältige Gesundheitsschäden wie Harnwegssteine oder Kreislaufstörungen.

Neben anderen negativen gesundheitlichen Auswirkungen wirkte Melamin in den Versuchen bei höheren Dosen sogar tödlich aufgrund von Nierenversagen.

Dass Melamin auch für Menschen gefährlich sein kann, zeigte sich im chinesischen Milchskandal von 2008, bei dem Milchprodukte mit Melamin gepanscht wurden. Als Folge erlitten fast 300.000 Babys Nierenversagen, 6 von ihnen starben.

Deshalb stufen sowohl das Bundesinstitut für Risikobewertung als auch die Verbraucherzentrale Geschirr und Utensilien aus Melaminharz für den Kontakt mit heißen Lebensmitteln oder Flüssigkeiten als ungeeignet ein.

Das gilt übrigens auch für die Erhitzung des Melamingeschirrs selbst, beispielsweise in der Mikrowelle.

Insofern nutzt es auch nichts, wenn manches Melamingeschirr als „BPA-frei“ beworben wird, da der Verbraucher nur den schädlichen Weichmacher gegen andere bedenkliche Chemikalien eintauscht.

5. Ist Melamin biologisch abbaubar?

Nein, Melaminharze sind sowohl mechanisch als auch chemisch äußerst beständig und langlebig.

In freier Natur werden sie praktisch nicht – oder nur extrem langsam – von Mikroorganismen zersetzt und sind deshalb nicht biologisch abbaubar.

Das bestätigen unter anderem Studien wie die der Kanadischen Umwelt- und Klimaschutzbehörde.

Vorsicht übrigens bei als „biologisch abbaubar“ vermarkteten Kaffeebechern oder anderen Küchenprodukten aus Bambus:

Deren Füllstoff Bambus ist zwar als Naturprodukt tatsächlich biologisch abbaubar, allerdings sind diese Produkte oft mit Melaminharz beschichtet, was die biologische Abbaubarkeit zunichte macht.

6. Ist Melamin kompostierbar?

Melaminharze sind in keiner Weise kompostierbar, da sie nicht biologisch abbaubar sind und Kompostierung vereinfacht gesagt nur beschleunigter biologischer Abbau ist.

Du solltest also Melaminprodukte keinesfalls in die Biotonne oder deinen heimischen Kompost werfen, da sie sich dort nicht zersetzen werden und ohnehin nur ihre bedenklichen Chemikalien freisetzen würden.

7. Ist Melamin recycelbar?

Nein, Melaminharz zählt zu den Duroplasten, die sich also nicht wieder einschmelzen lassen, um zu neuen Produkten verarbeitet zu werden.

Das unterscheidet Duroplaste wie Melaminharz von thermoplastischen Kunststoffen wie etwa Polypropylen (PP) oder PET, die sich problemlos einschmelzen und recyceln lassen.

Deshalb existiert für Produkte aus Melamin auch kein Recyclingsystem und sie müssen über den Restmüll entsorgt werden.

In Deutschland bedeutet das in der Regel, dass sie in der Müllverbrennung landen – unter Freisetzung klimaschädlicher Emissionen und giftiger Dämpfe – oder alternativ auf Mülldeponien.

Teilweise wird Melaminharz von speziellen Recyclingfirmen geschreddert und beispielsweise als Füllmaterial für andere Stoffe verwendet.

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