Ist Acryl umweltfreundlich? 14 Antworten auf die häufigsten Fragen

Ist Acryl umweltfreundlich? 14 Antworten auf die häufigsten Fragen

zuletzt aktualisiert am 18 Juni 2022

Acrylprodukte sind allgegenwertig – ob als Fugendichtmasse, Acrylfarben, Lacke, Acrylglas oder Polyacryl in unserer Kleidung.

Leider sind Acrylprodukte in keiner Weise umweltfreundlich, weil sie unter Einsatz teils äußerst gefährlicher Chemikalien hergestellt werden und auch ihre Entsorgung ungelöst ist.

Was du über die meistverwendeten Acrylprodukte wissen musst und wann von ihnen eine Gefahr ausgeht, erfährst du jetzt.

1. Ist Acryl ein Naturprodukt?

Nein. Produkte, die wir als Acryl bezeichnen, kommen nicht in der Natur vor, sondern sind von Menschen künstlich hergestellte Chemikalien.

Acryl ist zunächst eine Oberbezeichnung für synthetisch hergestellte Produkte, welche eine sogenannte Acrylgruppe enthalten.

Umgangssprachlich sind also mit dem Begriff „Acryl“ praktisch immer Kunststoffe gemeint, die auf Acrylsäure basieren.

Acryl gehört somit zur chemischen Gruppe der Kunststoffe (Polymere) und findet oftmals Anwendung in Form von:

  • Acrylglas („Plexiglas“)
  • Acrylfarben und Lacke
  • Dichtmasse (z.B. Fugendichtung)
  • Klebstoff
  • Textilfasern
  • Medizin- und Technikbereich

2. Wird Acryl umweltfreundlich hergestellt?

Nein, die Produktion von Acryl und der eng verwandten Acrylate ist in keiner Weise umweltfreundlich.

Denn zum einen sind im Produktionsprozess teils sehr hohe Temperaturen notwendig, was einen erheblichen Energieverbrauch sowie klimaschädliche Emissionen verursacht.

Darüber hinaus werden in der Herstellung von Acrylprodukten teilweise sehr gefährliche Chemikalien eingesetzt oder fallen als Nebenprodukte an.

Beispielsweise kommt bei der Herstellung von PMMA (Acrylglas) Dibenzoylperoxid zum Einsatz, welches nicht nur dem Sprengstoffgesetz unterliegt, sondern zudem auch reizend sowie laut seiner GHS-Gefahrstoffkennzeichnung als „umweltgefährlich“ und „wassergefährdend“ eingestuft ist.

Bei der Herstellung von Acrylnitril – welcher als Ausgangsstoff vieler Acrylprodukte selbst schon gesundheits- und umweltschädlich ist – fällt unter anderem die hochgiftige Blausäure (Cyanwasserstoff) an.

Wissenschaft und Industrie sind sich dieses Problems durchaus bewusst – so entwickelten etwa Forscher der University of Connecticut in Kooperation mit ExxonMobil eine Methode, um den Energieverbrauch und Schadstoffausstoß bei der Herstellung von Acrylglas zu reduzieren.

Das ist zwar ein begrüßenswerter Schritt – ohne eine Vielzahl von teils sehr giftigen und umweltschädlichen Chemikalien kommt die weltweite Acrylproduktion deswegen aber dennoch nicht aus.

3. Ist Acryl biologisch abbaubar?

Nein, Acrylprodukte sind grundsätzlich nicht biologisch abbaubar und verbleiben – je nach konkretem Acrylprodukt – Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte in der Umwelt.

Als Beispiel dient das weit verbreitete Acrylglas, welches um die 1930er Jahre erstmals hergestellt wurde – und selbst heute noch sind diese ersten Acrylprodukte vorhanden und sogar sehr gut erhalten.

Letztendlich wird Acrylglas ja genau wegen seiner hohen Alterungs- und Witterungsbeständigkeit gern verwendet, zudem ist es unanfällig gegen Säuren, Laugen oder Öl.

Insofern leuchtet es ein, dass Acrylglas in freier Natur praktisch auf unbestimmte Zeit verbleibt.

Auch die in Farben, Lacken, Dichtmassen, Klebstoffen und Medizintechnik oft verwendeten Acrylharze besitzen eine bemerkenswerte Langlebig- und Beständigkeit.

Ebenso in der Textil- und Bekleidungsindustrie oft verwendetes Acrylnitril (Polyacryl-Fasern) sind äußerst beständig.

Das führt zu großen Umweltschäden und Gesundheitsgefahren, weil die sich beim Waschen herauslösenden Mikrofasern auf unbestimmte Zeit in unseren Gewässern bleiben und in die Nahrungskette und das Trinkwasser gelangen können.

4. Ist Acryl kompostierbar?

Kompostierung ist lediglich vom Menschen organisierter und kontrollierter biologischer Abbau – und da Acrylprodukte nicht biologisch abbaubar sind, sind sie erst recht nicht kompostierbar.

Du solltest also keine Textilreste aus Acrylfasern in den Kompost werfen, weil diese – anders als Naturfasern wie Naturfilz, Baumwolle oder Leinen – sich nicht zersetzen.

Ebenso gehören Acrylfarben, Acrylharze (z.B. Dichtmasse und Kleber) und Acrylglas selbstverständlich ebenso wenig in den Kompost oder die Biotonne.

5. Ist Acryl giftig?

Ob von Acrylprodukten eine direkte Gefährdung von Mensch und Umwelt ausgeht, hängt von dem konkreten Acrylprodukt ab.

Acrylfarben und -lacke beispielsweise werden nicht nur von Künstlern, sondern auch im privaten Bastel- und Hobbybereich sowie in Wand- und Fassadenanstrichen häufig verwendet.

Allerdings hat das Fraunhofer-Institut den für Acrylfarben typischen Geruch erstmalig analysiert und dabei eine ganze Reihe gefährlicher Stoffe festgestellt.

Laut den Analyseergebnissen wird der typische Acrylgeruch durch flüchtige organische Verbindungen verursacht, vor allem durch sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie Benzolderivate, beispielsweise:

  • Styrol
  • Ethylbenzol
  • Isopropylbenzol
  • Propylbenzol
  • Naphthalin
  • Indan
  • Acrylate

All diese Stoffe sind ohne Ausnahme nicht nur eindeutig schädlich für die menschliche Gesundheit, sondern auch umweltschädlich.

Andere Acrylprodukte, wie etwa Acrylglas oder Acrylfasern bei Textilien sind als fertige Endprodukte bei vorgesehener Anwendung nicht giftig (beim Verbrennen beispielsweise setzen sie jedoch giftige Dämpfe frei).

6. Ist Acryl Plastik?

Ja, Acrylprodukte zählen zu den Polymeren, also zu den synthetisch hergestellten Kunststoffen.

Je nach konkretem Acrylprodukt gehören etwa Acrylharze (Fugendichtung, Acrylfarben) zu den Kunstharzen – wie etwa Epoxidharz auch.

Acrylglas beispielsweise gehört zu den thermoplastischen Kunststoffen und damit zur gleichen Gruppe wie PET, PVC oder Polyethylen (PE).

7. Ist Acryl Silikon?

Nein, Acryl und Silikon sind chemisch gesehen tatsächlich sehr unterschiedliche Produkte – obwohl bestimmte Acrylharze auf den ersten Blick mit Silikon verwechselt werden könnten.

Insbesondere als Fugendichtung verwendetes Acryl erscheint optisch Silikon sehr ähnlich – zumal beide Produkte in vielen Fällen gleichermaßen eingesetzt werden können.

Bei genauerer Betrachtung fallen dann aber schnell die unterschiedlichen Eigenschaften auf. So ist Acryl beispielsweise:

  • nicht wasserdicht
  • mit Farbe überstreichbar
  • wenig dehnfähig
  • wasserlöslich
  • eher trocken und nicht schmierend bei Hautkontakt

All das ist genau das Gegenteil bei Fugensilikon. Deshalb solltest du übrigens gerade im Nassbereich kein Acryl, sondern Silikon zur Abdichtung nutzen.

In anderen Bereichen im Trockenbau kann das günstigere Acryl aber durchaus auch anstelle von Silikon verwendet werden – vor allem dann, wenn es mit Farbe überstrichen werden oder kleine Beschädigungen ausbessern soll.

8. Enthält Acryl Weichmacher?

Wie Ökotest nachgewiesen hat, enthalten einige Acryl-Fugenmassen leider bedenkliche Weichmacher wie Phthalate.

Diese Chemikalien stehen in starkem Verdacht, aufgrund ihrer hormonähnlichen Wirkung gesundheitsschädlich zu sein – sie wurden deshalb von der EU bereits in vielen Kinderprodukten verboten.

Andere Acrylprodukte, bei denen es nicht auf eine weiche Konsistenz ankommt (beispielsweise Acrylglas) enthalten jedoch keine Weichmacher.

9. Bildet Acryl Mikroplastik?

Je nach verwendetem Acrylprodukt können durchaus umweltschädliche Mikroplastik-Partikel entstehen.

Vor allem Polyacryl-Textilfasern gelangen nachweislich insbesondere beim Wäschewaschen über das Abwasser in den Wasserkreislauf und sind dort praktisch nicht mehr zu entfernen.

Auch das äußerst beständige Acrylglas kann über die Jahre durch mechanische Beschädigung und Verwitterung in kleinste Kunststoffteilchen zerfallen.

Ebenso nicht ordnungsgemäß entsorgte Acrylharze – beispielsweise aus Dichtungsmasse oder Farben und Lacken – können sich mit der Zeit in Mikroplastik zersetzen.

10. Ist Acryl recycelbar?

Die meisten Acrylprodukte sind nicht recycelbar – dazu gehören Acrylfarben und -lacke sowie Acrylharze, die etwa in Fugendichtungen verwendet werden.

Allerdings gibt es mittlerweile recyceltes Acrylglas, was aus eingeschmolzenem Acrylglas neu hergestellt wird und keinerlei Qualitätseinbußen hat. Zudem ist es technisch beliebig oft recycelbar.

Der Anteil von recyceltem Acrylglas im Vergleich zu den weltweit enorm hohen Mengen an nicht-recyceltem Acrylglas dürfte jedoch sehr gering sein.

Acrylfasern im Textilbereich sind zwar rein technisch recycelbar – praktisch werden sie jedoch fast nie recycelt.

Das liegt zum einen daran, dass die Kleidungsstücke praktisch immer auch andere Materialien enthalten, was den Recyclingprozess erschwert und unwirtschaftlich macht.

Zum anderen ist die Qualität von recycelten Textilfasern deutlich schlechter, weil sie im Recyclingprozess durch Schreddern kürzer werden – weshalb meistens nur minderwertige Produkte aus ihnen gefertigt werden könnten (etwa Dämmmaterial).

Deshalb landen die meisten Acrylprodukte in Müllverbrennungsanlagen oder auf Mülldeponien.

11. Wie entsorge ich Acryl richtig?

Bei der Entsorgung kommt es auf das konkrete Acrylprodukt an – feste Acrylprodukte wie Textilfasern aus Polyacryl oder Acrylglas kannst du normalerweise über den Restmüll entsorgen oder ggf. zum Wertstoffhof bringen.

Flüssige oder halbfeste Acrylprodukte wie Fugendichtung oder Acryllacke und -farben dürfen hingegen nicht über den Hausmüll entsorgt werden, weil sie gefährliche Schadstoffe enthalten.

Erst recht nicht dürfen sie ins Abwasser gelangen – spüle sie also niemals den Abfluss oder die Toilette herunter – dort vergiften sie Wasserlebewesen und gelangen letztlich in unser Trinkwasser.

Zum einen solltest du stets auf das Produktdatenblatt oder die Produktverpackung schauen, denn dort sind die jeweiligen Gefahrenkennzeichen und Hinweise zur Entsorgung angegeben.

Zum anderen kannst du dich stets an deinen lokalen Entsorger wenden und erfragen, ob die Produkte gefährlicher Sondermüll sind und wo du sie abgeben kannst.

12. Ist Acryl nachhaltig?

Nein, Acrylprodukte sind in keiner Weise nachhaltig, da sie zum Teil aus erdölbasierten Grundstoffen bestehen, einer nicht-nachhaltigen Ressource.

Zudem kommen in der Produktion teils stark umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien zum Einsatz oder fallen als Nebenprodukte an – was ebenfalls der Idee eines nachhaltigen Produktes widerspricht.

Und auch das Ende der Lebenszeit von Acrylprodukten ist fast nie nachhaltig, da es keinen geschlossenen Wertkreislauf gibt – es besteht nämlich praktisch keine Wiederverwertungs- oder Recyclingmöglichkeit.

13. Ist Acryl umweltschädlich?

Die meisten für uns Endkunden käufliche Acrylprodukte geben zwar in der Regel nicht direkt umweltschädliche Stoffe ab.

Wenn wir allerdings den kompletten Lebenszyklus von Acrylprodukten betrachten – angefangen von der Herstellung bis zur Entsorgung – sind Acrylprodukte durchaus umweltschädlich.

Das liegt in erster Linie daran, dass alle Acrylerzeugnisse sehr umweltschädliche Chemikalien für ihre Herstellung erfordern.

Diese giftigen Chemikalien fallen entweder unweigerlich als Nebenprodukt an und müssen entsorgt werden, oder sie gelangen bei unsachgemäßer Handhabung oder illegaler Entsorgung (z.B. in vielen Ländern mit geringeren Umwelt- und Sicherheitsstandards) direkt in die Umwelt.

Zudem führen Acrylprodukte am Ende ihrer Lebenszeit praktisch immer zu Umweltverschmutzung, weil sie nicht recycelt werden können und somit entweder verbrannt werden müssen (giftig) oder auf Mülldeponien in die Umwelt gelangen (und zu Mikroplastik zerfallen).

14. Ist Acryl umweltfreundlicher als Silikon?

Wie du in unserem separaten Artikel hier erfahren kannst, ist das ebenfalls sehr weit verbreitete Silikon leider kein umweltfreundliches Produkt.

Und auch Acrylprodukte weisen im Vergleich zu Silikon keine wesentlich bessere Umweltbilanz auf.

Beide erfordern teils sehr gefährliche Chemikalien für ihre Herstellung und tragen zudem mangels fehlender Wiederverwertungsmöglichkeiten stets zum Müllproblem am Ende ihrer Nutzungszeit bei.

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