Ist Epoxidharz umweltfreundlich? Wichtige Fakten (+2 Alternativen)

Is Epoxy Resin Recyclable

zuletzt aktualisiert am 18.06.2022

Epoxidharz ist seit Jahrzehnten in Verwendung und aus unserem Alltag nicht wegzudenken – auch wenn wir oft gar nicht wissen, wo es überall vorkommt.

Doch leider steht es um die Umweltfreundlichkeit dieser Kunstharze gar nicht gut – denn besonders im ungehärteten Zustand sind sie praktisch immer äußerst giftig, ätzend, gesundheitsgefährdend und umweltschädlich.

Was du über Epoxidharze wissen musst, und wie du ihre Umwelt- und Gesundheitsschädlichkeit in Grenzen hältst, erfährst du jetzt.

Was genau ist Epoxidharz überhaupt?

Epoxidharze zählen zu den Kunstharzen, die durch Vermischung mit einem Härter sogenannte Duroplaste bilden, die nach Aushärtung dann weder schmelz- noch verformbar sind.

Insofern gibt es nicht das Epoxidharz, sondern viele verschiedene Arten, die meist danach unterschieden werden, welche Chemikalie als Härter verwendet wird, beispielsweise:

  • Bisphenol-Epoxidharze
  • Novolak-Epoxidharze
  • Halogenierte Epoxidharze

Der überwiegende Teil der weltweit verbreiteten Epoxidharze sind Bisphenol-Epoxidharze, bei denen oft Bisphenol-A (BPA), aber auch andere Bisphenole (wie BPF) eingesetzt werden.

Epoxidharze werden seit Jahrzehnten gerne als Anstrich, Füllmaterial oder vielseitiger Klebstoff in vielen Bereichen eingesetzt, beispielsweise im Automobil-, Boots- und Flugzeugbau oder auch den Rotorblättern von Windkraftanlagen sowie Elektrokomponenten.

Auch in vielen Freizeitprodukten sowie im Haushaltsbereich wird Epoxidharz oft verwendet, beispielsweise in Fahrrädern, Snowboards, Surfbrettern, Farben und Lacken, Bodenbelägen, Möbeln, sowie im Kunst- und Bastelbereich.

Ist Epoxidharz ein Kunststoff?

Im Gegensatz zu den Naturharzen zählen Epoxidharze zweifelsfrei zu den Kunststoffen, genauer gesagt zu den Duroplasten.

Grund dafür ist, dass Epoxidharze nicht in der Natur vorkommen, sondern durch Vermischung von synthetischen Komponenten hergestellt werden.

Denn obwohl einige der für Epoxidharz eingesetzten Stoffe zwar in der Natur vorkommen, müssen die meisten von ihnen in mehr oder weniger aufwändigen chemischen Verfahren im Labor hergestellt werden.

Zudem ist natürlich immer die mechanische Vermischung der beiden Komponenten – Harz und Härter – durch den Menschen notwendig, damit sich das Epoxidharz überhaupt bildet (weshalb Epoxidharze übrigens auch zu den sogenannten Zweikomponentenklebern zählen).

Ist Epoxidharz giftig?

Zwar hängt die Antwort ein Stück weit davon ab, um welche Art von Epoxidharz es sich handelt und über welchen Verarbeitungsschritt wir sprechen.

Generell lässt sich aber Folgendes sagen:

Flüssiges Epoxidharz ist sehr giftig

Die flüssigen, unverarbeiteten Bestandteile von Epoxidharzen sind praktisch immer gesundheitsschädlich und giftig für Mensch und Umwelt.

Studien belegen mittlerweile, dass die Gefahren bei der Arbeit mit Epoxidharzen oft unterschätzt werden – mit teils schwerwiegenden Folgen.

So enthalten die meisten Epoxidharze entweder in der Harz-Komponente oder im Härter gefährliche Chemikalien wie:

  • Bisphenole
  • Epichlorhydrin
  • Phenol (Hydroxybenzol, auch als Karbolsäure bezeichnet)
  • Amine (Ammoniak-Abkömmlinge)
  • Diglycidylether

All diese Chemikalien sind erwiesenermaßen giftige oder ätzende Stoffe. Um nicht zu detailliert zu werden, hier nur einige Gefahren der häufigsten Bestandteile von Epoxidharzen:

Bisphenole (BPA und andere) sind laut Studien nachweislich hormonell wirksam und stehen als sogenannte Endokrine Disruptoren im Verdacht, das Erbgut zu schädigen und unter anderem bei Mäusen die Gehirnentwicklung stört.

Phenol wurde oft als Unkrautvernichter eingesetzt und ist ein Nerven- und Zellgift, verursacht chemische Verbrennungen auf der Haut, wirkt reizend bis ätzend auf Schleimhäute und Augen und kann praktisch alle inneren Organe schwer schädigen.

Epichlorhydrin ist nachweislich krebserregend und erbgutschädigend und dringt problemlos auch durch gesunde, unbeschädigte Haut in den menschlichen Körper ein. Nach längere Zeit kommt es zu nicht heilbaren Hautveränderungen und Ekzemen.

Generell kann es beim Einatmen der Dämpfe zu Delirien, Nerven- und Nierenschädigungen sowie zu Lähmungen bis hin zum Herzstillstand kommen.

Bei der Verarbeitung von Epoxidharz musst du also zwingend auf angemessene Schutzausrüstung sowie ausreichend Lüftung achten – viele einfache Handschuhe bieten übrigens keinen Schutz.

Ausgehärtetes Epoxidharz weniger bedenklich

Anders sieht es aus, wenn das Kunstharz vollständig ausgehärtet ist – dann ist es chemisch neutral und es geht von dem Resin keine direkte Gefahr mehr aus.

Du kannst also ausgehärtetes Epoxidharz bedenkenlos anfassen, da es dann ungiftig ist – insbesondere für den privaten Gebrauch bestimmte Sorten sind dann in aller Regel ungefährlich.

Außerdem gibt es auch keine gefährlichen Dämpfe mehr ab, wie es noch im ungehärteten Zustand der Fall ist.

Es gibt sogar spezielle Epoxidharze, die lebensmittelsicher sind – allerdings ist das nicht bei allen Sorten der Fall.

Lediglich beim Schleifen von gehärtetem Epoxidharz solltest du ebenfalls vorsichtig sein, dass du die dabei entstehenden Staubpartikel nicht einatmest.

Ist Epoxidharz umweltschädlich?

Epoxidharz ist gleich aus mehreren Gründen umweltschädlich, was sich grob aus folgenden Punkten ergibt:

  1. Herstellung & Rohstoffe
  2. Chemische Eigenschaften
  3. fehlende Recyclingmöglichkeit

Zunächst einmal besteht Epoxidharz – wie alle Kunststoffe – überwiegend aus Erdölprodukten. Weder dessen Förderung noch Raffinierung ist in irgendeiner Weise umweltfreundlich.

Weiterhin sind die flüssigen Komponenten für Epoxidharz – also das Harz und der Härter – praktisch immer äußerst schädlich für Umwelt, Tier und Mensch.

Die teilweise hochgiftigen Chemikalien (siehe weiter oben) können neben uns Menschen auch Tiere und Pflanzen stark schädigen oder töten.

Deshalb darf ungehärtetes Epoxidharz oder ungenutzte Restmengen auf keinen Fall in die Umwelt oder das Abwasser gelangen.

Sobald Epoxidharz jedoch ausgehärtet ist, sinkt seine Umweltschädlichkeit deutlich – dann ist sie in etwa mit der von anderen Kunststoffen vergleichbar.

Obwohl es dann zwar nicht mehr akut giftig und ätzend ist, trägt gehärtetes Epoxidharz bei unsachgemäßer Entsorgung natürlich trotzdem zur Umweltverschmutzung und Schäden in Tier- und Pflanzenwelt bei, wie andere Kunststoffe auch.

Da es für Epoxidharz aber momentan praktisch keine befriedigende Möglichkeit gibt, es wiederzuverwerten, führt sein weitverbreiteter Einsatz unweigerlich zu Umweltverschmutzung – sei es durch Müllverbrennung, Mülldeponien oder unsachgemäße Entsorgung.

Ist Epoxidharz recycelbar?

Die meisten Epoxidharze sind nach heutigem Stand der Technik nicht recycelbar und landen deshalb am Ende ihrer Lebenszeit entweder in der Müllverbrennung oder Abfalldeponie.

Der Grund dafür ist, dass das Kunstharz bei der Härtung eine chemische Reaktion durchläuft, die sich nicht wieder umkehren lässt.

Epoxidharz bildet bei Aushärtung nämlich sogenannte Duroplaste, welche – im Gegensatz zu Thermoplasten – bei Erhitzen weder weich werden noch schmelzen.

Auch lassen sie sich bei Krafteinwirkung nicht verformen, sondern brechen aufgrund ihrer eher glasartigen Eigenschaften höchstens.

Einmal gehärtetes Epoxidharz lässt sich also weder in seine Ausgangskomponenten zerlegen, noch lassen sich damit verklebte Bauteile wieder davon lösen.

Allerdings arbeiten Wissenschaft und Industrie schon lange intensiv daran, die Recyclingfähigkeit von Duroplaste wie Epoxidharz zu verbessern – und es gibt bereits durchaus vielversprechende Ergebnisse.

Beispielsweise hat der indische Chemiekonzern Aditya Birla bereits vor Jahren einen Härter entwickelt, der sich unter speziellen Bedingungen wieder vom Harz lösen und damit zumindest teilweise recyceln lässt.

Allerdings haben die dabei wiedergewonnenen Stoffe andere chemische Eigenschaften und können deshalb meist nicht für gleichwertige Neuprodukte verwendet werden, sondern für andere Anwendungen – immerhin wird aber zumindest teilweise Abfall vermieden.

Ist Epoxidharz biologisch abbaubar?

Die meisten Epoxidharze sind in keiner Weise biologisch abbaubar, da es sich letztendlich um Kunststoffe handelt.

Auch das Fraunhofer Institut versuchte bereits herauszufinden, unter welchen Bedingungen sich dieser sehr schwer abbaubare Kunststoff zersetzt – oder ob überhaupt.

Epoxidharze zersetzen sich generell also weder auf dem Kompost noch auf der Mülldeponie in auch nur ansatzweise überschaubaren Zeiträumen.

Und selbst wenn sich das gehärtete Epoxidharz mit der Zeit durch mechanische oder andere Umwelteinflüsse „zersetzt“, zerfällt es dabei lediglich in immer kleinere Teilchen – das gefährliche Mikroplastik entsteht.

Selbst die neuesten, etwas umweltfreundlicheren Epoxidharze, die als „biologisch abbaubar“ gelten, enthalten oft nur ca. 30% abbaubare Bestandteile.

Ist Epoxidharz nachhaltig?

Epoxidharz ist kein nachhaltiges Material, da es aus nicht nachhaltigen Rohstoffen – speziell Rohöl – produziert wird.

Nachhaltige Produkte zeichnet nämlich unter anderem aus, dass sie aus erneuerbaren Rohstoffen gewonnen werden – was bei Mineralölprodukten offensichtlich nicht der Fall ist.

Selbst moderne, umweltfreundlichere Epoxidharze bestehen fast immer noch zu mindestens 70% aus nicht nachhaltigen, teils sehr giftigen Rohstoffen.

Zudem ist der nicht geschlossene Wertstoffkreislauf nicht nachhaltig, da Produkte aus Epoxidharz am Ende ihrer Lebenszeit stets zu nicht weiter verwendbarem Müll führen.

Ist Epoxidharz vegan?

Ja, Epoxidharz kann als vegan betrachtet werden, da es in keiner Weise aus tierischen Produkten hergestellt wird oder anderweitig Tiere bei seiner Produktion oder Verwendung leiden.

Allerdings ist Epoxidharz – wie übrigens alle anderen Kunststoffe auch – ein gutes Beispiel dafür, dass ein Produkt noch lange nicht umweltfreundlich oder nachhaltig ist, nur weil es „vegan“ hergestellt wurde.

Wie wird Epoxidharz entsorgt?

Da die meisten Epoxidharze quasi nicht recycelt werden können, enden sie in Deutschland meistens in Müllverbrennungsanlagen oder Mülldeponien.

Ausgehärtete Epoxidharze werden üblicherweise als Gewerbeabfälle oder in haushaltsüblichen Mengen über den Hausmüll entsorgt.

Ungehärtete, also noch flüssige Komponenten von Epoxidharz gelten hingegen als Sondermüll und dürfen genau wie etwa Altöl, Farben oder Batterien keinesfalls über den Hausmüll entsorgt werden.

Bringe flüssige Epoxidharzreste deshalb zu deiner lokalen Gefahrgut-Sammelstelle oder zum Wertstoff- bzw. Recyclinghof.

Das gilt übrigens auch für die „leeren“ Tuben und Behälter, da du sie nie wirklich komplett leer bekommst und sie deshalb stets noch die sehr giftigen flüssigen Chemikalien enthalten.

Aufgrund ihrer hohen Giftigkeit solltest du selbst kleineste Restmengen niemals in den Abfluss gießen oder in den normalen Müll werfen, da sie erhebliche Schäden in der Umwelt anrichten – und letztlich auch in die menschliche Nahrungskette oder Trinkwasser gelangen.

Ist Epoxidharz besser als Polyesterharz?

Epoxidharz ist bezüglich der Umweltschädlichkeit keineswegs besser als Polyesterharz – wie in diesem Artikel beschrieben, sind die ungehärteten Komponenten von Epoxidharz äußerst gefährlich.

Allerdings ist auch Polyesterharz durchaus gefährlich, da es im ungehärteten Zustand und vor allem beim Aushärten Styrol und Peroxid ausdünstet (sehr starker Geruch), welche beim Einatmen äußerst gesundheitsschädlich sein können.

Für bestimmte Anwendungen, beispielsweise in Verbindung mit Glasfasermatten, lässt sich Polyesterharz besser verarbeiten.

Auf der anderen Seite hat das teurere Epoxidharz oftmals bessere mechanische Eigenschaften als Polyesterharz.

Beide sind aber weder nachhaltig, recycelbar noch umweltfreundlich und müssen mit großer Vorsicht verarbeitet und verantwortungsvoll entsorgt werden.

2 umweltfreundliche Alternativen zu Epoxidharz

Obwohl die meisten Epoxidharze giftig und weder recycelbar noch umweltfreundlich sind, gibt es dennoch einige Alternativen, die zumindest etwas weniger umweltschädlich sind.

1. EcoPoxy

Die kanadische Firma EcoPoxy bietet ein Epoxidharz für die holzverarbeitende Industrie sowie für Menschen an, die Holzbearbeitung als Hobby betreiben.

Es wird mit erneuerbaren Ressourcen sowie ohne Verwendung von giftigen Chemikalien hergestellt.

2. Entropy Resin

EntropyResin hat eine ganze Reihe von umweltfreundlichen Epoxidharzen im Angebot, die aus pflanzenbasierten Inhaltsstoffen hergestellt sind.

Ein Beispiel ist ihr CCR-Bio-Resin, der aus 30% biologischen Inhaltsstoffen hergestellt ist und das amerikanische Öko-Zertifikat (USDA) besitzt.

Es ist sowohl für Basteln als auch für Guss- und Beschichtungsanwendungen konzipiert.

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