Ist Keramik umweltfreundlich? 12 wichtige Fakten (die du kennen solltest)

Florian

Keramik ist einer der ältesten Werkstoffe, die von Menschen hergestellt und verwendet werden.

Letztendlich können Keramikwaren wie beispielsweise Tongefäße mit nur wenigen natürlichen Rohstoffen relativ einfach hergestellt werden.

Doch heutzutage gibt es eine Vielzahl von Keramikprodukten, bis hin zu technisch sehr komplexer Spezialkeramik, deren Fertigung vielschichtig und aufwändig ist.

Sind moderne Keramikprodukte also immer noch so naturnah und umweltfreundlich wie die unserer Vorfahren?

Generell lässt sich sagen: in den meisten Fällen sind Keramikwaren tatsächlich relativ umweltfreundlich, insbesondere im Vergleich zu den Alternativen, die sich bieten würden.

Allerdings ist auch die Keramikindustrie keineswegs ohne negative Folgen für unsere Umwelt.

Was du über Keramik wissen musst, und wie du besonders sichere und nachhaltige Keramik erkennst, erfährst du jetzt.

1. Wird Keramik umweltfreundlich hergestellt?

Die Herstellung von Keramik erforderte schon immer hohe Temperaturen für den Brennvorgang, der dem Keramikprodukt seine gewünschten Eigenschaften gibt (Härte, Porösität, etc.).

Auch heutzutage erfordert die Keramikproduktion deshalb noch enorme Mengen an Energie, weil die Keramik oftmals 6-12 Stunden bei 800°C – 1400°C gebrannt oder gesintert werden muss (Spezialkeramiken sogar bei noch wesentlich höheren Temperaturen).

Wie lange genau und bei welcher Temperatur hängt in erster Linie davon ab, um welches Keramikprodukt es sich handelt (z.B. Tonware, Ziegel, Porzellan oder Dentalkeramik) und welche Materialeigenschaften erzielt werden sollen.

Aber in jedem Fall ist ein hoher Energie- und damit Stromverbrauch notwendig – oftmals muss dieser Brennvorgang sogar mehrfach durchlaufen werden für ein Keramikprodukt.

Wie aktuelle Studien belegen, ist vor allem die Tatsache für die Umwelt schädlich, dass bei der Massenfertigung von Keramikprodukten fast immer fossile Brennstoffe (meistens Kohle) für die Befeuerung der Öfen genutzt werden – was entsprechend umweltschädliche Emissionen zur Folge hat.

In kleineren Keramikmanufakturen werden zwar eher Elektroöfen eingesetzt, die weniger umweltschädliche Schadstoffe ausstoßen als die mit Kohle befeuerten Öfen.

Solange der verwendete Strom jedoch nicht vollständig aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, führen aber auch Keramiken aus Elektroöfen indirekt zu klimaschädlichen Emissionen.

2. Ist Keramik ein Naturprodukt?

Keramik wird oft als Naturprodukt bezeichnet, weil die in ihm verwendeten Rohstoffe wie etwa Ton und Kalk reichhaltig in der Natur vorkommen.

Streng genommen ist Keramik jedoch ein von Menschen hergestelltes Produkt, was so in der Natur nicht vorkommt – insofern ist Keramik eigentlich kein Naturprodukt.

Allerdings wurden die ältesten Keramikprodukte bereits vor ca. 30.000 Jahren hergestellt.

Daran zeigt sich, dass Keramikwaren durchaus sehr naturnah und relativ simpel hergestellt werden können, da unsere prähistorischen Vorfahren nur äußerst bescheidene technische Möglichkeiten hatten.

Im Wesentlichen wurden die ersten Keramiken aus Ton oder Lehm geformt, getrocknet und dann in primitiven Feuerstellen gebrannt und dadurch gehärtet.

Neben Ton und Lehm sind die verwendeten Rohstoffe für viele Keramikprodukte oft Kalk, Quarz, Feldspat und Kaolin.

Heutzutage ist die Keramikherstellung – speziell bei technischer Keramik – ein sehr komplizierter, hochautomatisierter Prozess, der mit der historischen primitiven Herstellung früher Keramik nur noch wenig zu tun hat.

3. Ist Keramik Porzellan?

Nein, Keramikwaren zählen nicht zu den Porzellanen, sondern es ist genau anders herum: Porzellan ist eine Untergruppe der sogenannten keramischen Massen.

Gemäß der häufig genutzten Klassifikation von keramischen Massen gehören zur Keramik die folgenden drei Hauptgruppen:

  1. Irdengut (z.B. Steingut, Tonwaren und Baukeramik wie Ziegel oder Klinker)
  2. Sinterzeug (z.B. Porzellan oder Steinzeug)
  3. Sonder-Keramik (z.B. Elektrokeramik, Dentalkeramik)

Wie du siehst, gehört Porzellan also zur keramischen Untergruppe Sinterzeug.

Allerdings ist diese Gruppierung und Definition von Keramik nicht standardisiert und wird je nach Industrie, Land und Anwendungsgebiet teilweise anders definiert.

Eine weitere, oft genutzte Unterteilung von Keramik ist in die folgenden drei Gruppen:

  • Grobkeramik (z.B. Baukeramik, Tonwaren)
  • Feinkeramik (z.B. Porzellan, Fliesen)
  • Technische Keramik (Keramik für Elektro- oder Dentalindustrie)

Aber auch bei dieser zweiten, alternativen Klassifizierung von Keramik wird klar, dass Porzellan stets eine spezifische Untergruppe von Keramik ist.

Jedes Porzellan ist also immer Keramik, aber nicht alle Keramiken sind Porzellan – tatsächlich ist Porzellan nur eine von vielen Arten von Keramik.

4. Ist Keramik ein Kunststoff?

Nein, Keramik hat mit Kunstoffen nichts zu tun, wenn wir unter Kunststoff auf Erdöl basierende Plastikprodukte verstehen (was in aller Regel mit dem Begriff Kunststoff auch gemeint ist).

Anders als Plastik – sogenannte Polymere – gehört Keramik nämlich chemisch gesehen nicht zu den organischen, sondern zu den anorganischen Werkstoffen.

Keramik wird also nicht aus kohlenstoffbasierten Chemikalien, sondern aus natürlich vorkommenden Mineralien wie Quarz, Ton und Kalk hergestellt.

Allerdings finden sich Keramikprodukte aber nicht in freier Natur, sondern werden von Menschen hergestellt, weshalb sie aus diesem Grund als künstliche Produkte bezeichnet werden könnten.

5. Ist Keramik biologisch abbaubar?

Nein, Keramik ist weder biologisch abbaubar noch kompostierbar.

Das liegt zum einem daran, dass Keramikwaren aus mineralischen Rohstoffen bestehen, die schon in ihrer natürlichen Form nicht biologisch abbaubar sind.

Denn Ton, Lehm oder Quarzsand verrotten nicht, weil sie eben nicht von Mikroorganismen zersetzt werden können.

Zum anderen ist Keramik tatsächlich unglaublich beständig und kann nicht nur ein Menschenleben, sondern sogar unzählige Generationen überdauern – und dabei in hervorragendem Zustand bleiben.

Deshalb sind Keramiken wie etwa Tongefäße in der Archäologie so wertvoll, weil sie praktisch unbegrenzt haltbar und somit sehr hilfreich für die Datierung sind.

Die ältesten Keramikwaren sind etwa 30.000 Jahre alt – ein biologisch abbaubares Produkt wäre schon in einem Bruchteil dieser Zeit vollständig abgebaut worden.

6. Ist Keramik nachhaltig?

Obwohl Keramik zwar sehr viel Energie während der Herstellung – speziell beim Brennvorgang – benötigt, sind Keramikprodukte im Ganzen gesehen tatsächlich sehr nachhaltige Produkte.

Das liegt zum einen daran, dass sie aus Mineralien wie Ton, Lehm und Quarzsand hergestellt werden, die äußerst reichhaltig in der Natur vorkommen.

Anders als Kunststoffe etwa, die aus dem zunehmend knapper werdenden Erdöl hergestellt werden, ist also die Rohstoffverfügbarkeit bei Keramik kein Problem.

Zum anderen ist Keramik und enorm langlebiges Produkt mit einer praktisch unbegrenzten Haltbarkeit. Bei sorgsamem Umgang halten Keramikwaren also problemlos nicht nur ein, sondern viele Leben lang.

Auch dieser Aspekt der langen Nutzbarkeit relativiert den hohen Energieaufwand bei der Herstellung – insbesondere, wenn man es mit der extrem kurzen Nutzungsdauer vieler Kunststoffprodukte vergleicht (Stichwort: Einwegprodukte).

Denke einfach an das Beispiel: Einweg-Becher für deinen Kaffee versus wiederverwendbare Kaffeetasse aus Keramik.

7. Ist Keramik recycelbar?

In aller Regel ist Keramik nicht recycelbar, da es aufgrund seiner enormen Temperaturbeständigkeit nicht einfach eingeschmolzen werden kann und landet deswegen oft auf Mülldeponien.

Technisch ist das Recycling von Keramik zwar möglich, da es von seinen Schmelzeigenschaften eher Glas ähnelt.

Es gibt sogar vereinzelt spezielle Recyclingunternehmen, die Altglas und Keramik zusammen einschmelzen und sie dann als Beschichtung von Küchenarbeitsplatten verwenden.

Im Großen Stil wird Keramik aber nicht recycelt – weshalb es beispielsweise auch gar kein Recyclingsystem in Deutschland für Keramik gibt – anders als etwa für Plastik, Glas oder Papier.

Natürlich kannst du aber Keramik individuell recyceln, indem du es beispielsweise künstlerisch wiederverwendest oder aus zerbrochenen Keramikwaren kreativ etwas neues bastelst.

8. Ist Keramik besser als Plastik?

Keramik ist insofern besser als Plastik, als dass sowohl bei der Förderung seiner natürlichen Rohstoffe als auch der eigentlichen Herstellung der Keramikprodukte weitaus weniger Umweltschäden verursacht werden, als es bei Plastikprodukten der Fall ist.

Darüber hinaus entscheidet natürlich der spezielle Anwendungszweck, welches Material besser geeignet ist.

Für viele Anwendungen des täglichen Gebrauchs wie etwa Teller, Tassen oder Lebensmittelgefäße sind lebensmittelechte Keramikprodukte hervorragend geeignet und sicher.

Und auch eine Toilette oder Badewanne lässt sich kaum aus anderen Materialien vorstellen.

Zudem halten Keramikprodukte ein Leben lang, wenn sie nicht zerbrochen werden. Plastikprodukte halten zwar auch lange, werden aber mit der Zeit oft spröde und brüchig.

Keramik und Plastik weisen diesbezüglich oftmals völlig unterschiedliche Eigenschaften auf, da sie aus komplett anderen chemischen Elementen bestehen.

9. Wie entsorge ich Keramik richtig?

Wenn es sich um kleine Keramikprodukte wie zerbrochenes Geschirr oder Vasen handelt, gehört Keramik in den normalen Hausmüll (schwarze Tonne).

Größere Mengen an Keramik wie Bauschutt (z.B. Fliesen oder Dachziegel) oder Sanitärkeramik (Toiletten, Waschbecken) müssen zum Wertstoffhof gebracht oder von einem Containerdienst abgeholt werden.

10. Ist Keramik Sperrmüll?

Nein, Keramikwaren sind in aller Regel kein Sperrmüll und dürfen deshalb nicht über diesen entsorgt werden (und würden auch nicht mitgenommen werden).

Je nach Art der Keramik zählt der Müll nämlich entweder zu Bauschutt (wenn es sich etwa um Badkeramik oder Dachziegel handelt), oder um normalen Hausmüll (etwa zerbrochenes Geschirr.

Weder Bauschutt noch Hausmüll gehören jedoch in den Sperrmüll.

11. Ist Keramik umweltschädlich?

Einer der Aspekte, der Keramik zu einem sehr umweltverträglichen Werkstoff macht, ist seine einfache Zusammensetzung aus natürlichen und reichlich vorhandenen Rohstoffen wie Ton, Kalk, Kaolin oder Quarzsand.

Obwohl natürlich auch deren Abbau teils erhebliche Eingriffe in die Landschaften darstellt, werden diese Förderstellen nach Abbauende oft zu Biotopen umgewandelt und somit renaturiert.

Der größte Kritikpunkt in puncto Umweltschädlichkeit ist der hohe Energieverbrauch beim erforderlichen Brennvorgang aller Keramikwaren.

Insbesondere die Tatsache, dass industrielle Brennöfen oft mit Kohle befeuert werden, ist selbstverständlich umweltschädlich – trotz teilweiser Wärmerückgewinnung und Abluftfilter lassen sich schädliche Emissionen dabei nicht vermeiden.

Relativiert wird dieser negative Aspekt jedoch durch die Tatsache, dass Keramikprodukte eine praktisch unbegrenzt lange Lebensdauer haben.

Und natürlich stellt sich auch immer die Frage, ob es denn überhaupt umweltfreundlichere Alternativen gibt – denn Kunststoffprodukte sind bekanntlich nicht nur viel kurzlebiger, sondern auch bei ihrer Produktion wesentlich umweltschädlicher.

Insofern finden sich für einen gegebenen Einsatzzweck selten alternative Materialien, die umweltfreundlicher wären als Keramik.

Achte vor allem darauf, dass du entweder unglasierte, oder nur mit natürlichen Inhaltsstoffen glasierte Keramik kaufst (frei von Blei oder anderen oft verwendeten Schwermetallen).

Und es gibt mittlerweile auch Keramiken, denen Kunststoffe – sogenannte Plastifizierungmittel – zugesetzt werden.

Diese Keramikarten sind also eher Hybride zwischen Keramik und Plastik und ihre Umweltbilanz fällt entsprechend schlechter aus.

12. Ist Keramik gesundheitsschädlich?

In aller Regel sind Keramikwaren gesundheitlich völlig unbedenklich.

Sie bestehen schließlich vereinfacht gesagt aus natürlichen Erden oder Mineralien wie Ton, Kalk oder Quarzsand, die völlig unbedenklich sind.

Zudem ist Keramik praktisch chemisch inert – das heißt, sie geht mit so gut wie nichts chemische Reaktionen ein – es gehen also insbesondere keine Inhaltsstoffe der Keramik in die Umgebung über.

Die einzige potenzielle Gefahr bei Keramikwaren ist die oft verwendete Glasur. Keramikwaren werden hauptsächlich deshalb glasiert, um sie wasserdicht zu machen, sich leichter reinigen zu lassen, oder um sie mit Farben zu versehen.

Während es völlig unbedenkliche mineralische Glasuren aus Salz oder Feldspat gibt, werden leider auch nicht selten bleihaltige Glasuren verwendet.

Auch andere giftige Inhaltsstoffe wie etwa Berylliumoxid oder Schwermetalle wie Mangan, Cadmium und Cobalt kommen teilweise zum Einsatz.

Insbesondere Keramik, die bei unter 1450°C gebrannt (und damit nicht vollständig glattgebrannt) wurde, gibt bedenkliche Mengen an löslichen Verbindungen ab.

So hat beispielsweise das Bayerische Landesamt in einer Untersuchung festgestellt, dass Schwermetalle nachweislich aus vielen den Keramikwaren bei Kontakt mit Mund oder Lebensmitteln übergehen.

Auf der anderen Seite gilt Keramik, die bei über 1450°C gebrannt wurde als ungiftig und sicher – denn selbst wenn in der Glasur giftige Inhaltsstoffe verwendet wurden, sind diese dauerhaft und stabil mit den mineralischen Bestandteilen der Glasur verbunden.

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