Ist Bienenwachs nachhaltig? 5 Gründe (& was gutes Wachs ausmacht)

Tobias Durant

Wenn es ein Tier gibt, das für seinen Fleiß und seine Vielseitigkeit bekannt ist, dann ist es die Biene.

Nicht nur bestäuben die emsigen Insekten unsere Felder und liefern leckeren Honig.

Auch das von den Bienen produzierte Wachs lässt sich für viele Zwecke einsetzen.

Egal ob als Kerzen, Pflegeprodukte oder Tücher – Bienenwachs ist eine nachhaltige Alternative zu synthetischen Materialien.

Voraussetzung ist natürlich, dass du ein Produkt kaufst, das weder Bienen noch Konsumenten schadet.

In diesem Beitrag erklären wir unter anderem:

  • was man aus Bienenwachs alles herstellen kann
  • warum „Massentierhaltung“ in der Imkerei ausnahmsweise in Ordnung ist, und
  • wie du echtes Bienenwachs von Fälschungen unterscheiden kannst.

Wie unterscheidet sich Bienenwachs von anderen Wachsen?

Bei Bienenwachs handelt es sich um ein Material, aus dem die Insekten ihre Waben errichten.

Wenn die Tiere das Wachs aus ihren Drüsen absondern, ist es hell und klar.

Erst später erhält es durch Blütenpollen seine charakteristische gelbe Färbung.

Trotz des sprichwörtlichen Fleißes der Insekten ist die Entstehung von Bienenwachs ein zeitaufwändiger Prozess.

Dementsprechend wurde es in der Industrie weitgehend von künstlichen Wachsen auf Paraffin-Basis ersetzt.

Paraffin liefert ähnliche Eigenschaften wie Bienenwachs, und das zu einem Bruchteil des Preises.

Allerdings handelt es sich um ein Nebenprodukt der Erdölindustrie, was die Umweltbilanz trübt.

Außerdem zeigte eine Studie, dass Paraffin beim Verbrennen giftige Stoffe an die Umwelt abgeben kann.

Bei echtem Bienenwachs besteht dieses Problem nicht.

Eine weitere Alternative stellt Stearin dar. Dieses Wachs wird aus nachwachsenden Ressourcen wie Ölpalmen gewonnen.

Das Problem: Für diese Nutzpflanzen müssen riesige Flächen Urwald in tropischen Ländern gerodet werden. Eine ökologisch einwandfreie Wahl ist Stearin also kaum.

Wofür wird Bienenwachs verwendet?

Da es sich bei Bienenwachs um ein reines, hautverträgliches Produkt handelt, kommt es gerne für Kosmetika zum Einsatz: etwa Salben, Cremes, Pasten und Lippenstifte.

Auch die feuchtigkeitsspendende, antiseptische und entzündungshemmende Wirkung von Bienenwachs legt eine Verwendung für Pflegeprodukte nahe.

Bereits im Mittelalter wurde Bienenwachs zur Herstellung von Kerzen verwendet.

Und noch heute erfreuen sich Bienenwachs-Kerzen großer Beliebtheit – etwa auf Weihnachtsmärkten.

Das Naturmaterial hat dabei den Vorteil, dass es langsam abbrennt und keine Schadstoffe freisetzt.

Bei Süßigkeiten auf Gelatinebasis dient Bienenwachs als Trennmittel. Das Mittel sorgt beispielsweise dafür, dass Gummibärchen in der Packung nicht aneinander kleben.

Außerdem schützt es Obst vor dem Austrocknen und kann zum Einpacken von Lebensmitteln verwendet werden.

Auch im medizinischen Bereich wird Bienenwachs eingesetzt: etwa als Wärmepackung bei Muskel- und Gelenkschmerzen oder als Arznei gegen Pilzerkrankungen und Hautirritationen.

Zu guter Letzt lässt sich Bienenwachs auch zur Pflege von Holz verwenden, da es eine wasserabweisende Wirkung hat.

Jedoch wurde das Naturprodukt im Möbelbereich weitgehend von synthetischen Wachsen ersetzt, die günstiger sind.

Ist Bienenwachs umweltfreundlich?

Von allen Wachsarten gilt die von Bienen erzeugte Sorte am umweltfreundlichsten.

Weder enthält sie synthetische Stoffe, noch entstehen bei der Produktion ökologische Schäden. 

In Sachen Nachhaltigkeit hat das Produkt ganz klar die Nase vorn, wie die folgenden Punkte zeigen:

5 Gründe, warum Bienenwachs ein nachhaltiges Produkt ist

1. Naturprodukt

Bienen produzieren das Wachs auf natürliche Art und Weise, um ihre Waben zu errichten.

Zwar ist es richtig, dass Imker den Bienen diese Waben „wegnehmen“.

Doch die Bienen würden ihren alten Bau ohnehin verlassen, sobald er ein bestimmtes Alter erreicht hat.

In der traditionellen Imkerei werden die Waben stattdessen durch neue ersetzt und können weiterverarbeitet werden.

2. Gesunder Kreislauf

Diese Kreislaufwirtschaft ist nicht nur absolut unbedenklich für die Bienen. Sie ist auch notwendig.

Mit der Zeit sammeln sich in den Waben Schmutz, Pollenreste und der Kot der Larven an.

Indem der Imker Waben aus „recyceltem“ Wachs bereitstellt, hält er sein Bienenvolk gesund.

3. Schutz der vom Aussterben bedrohten Honigbienen

Mit dem Kauf von Bienenwachs unterstützt du die Imkerei – einen wichtigen Handwerkszweig, der das Überleben von Honigbienen sichert.

Schon jetzt ist diese Insektenart, die unverzichtbar für das Bestäuben von Pflanzen ist, vom Aussterben bedroht.

Imker sichern Bienenvölkern eine Bleibe und schützen sie vor gefährlichen Parasiten wie der Varroa-Milbe.

Somit sorgt dieses Handwerk dafür, dass unsere Felder auch in Zukunft noch von Bienen bestäubt werden können.

4. Unschädlich für die Bienen

Natürlich gibt es vereinzelte Stimmen, die das Halten von Bienen in Stöcken als nicht artgemäß kritisieren.

Dagegen lassen sich jedoch gewichtige Argumente vorbringen:

  • Heutige Kulturräume sind so sehr mit Schadstoffen vergiftet, dass domestizierte Bienen in der freien Wildbahn kaum überleben könnten. Bienenstöcke bieten dagegen eine sichere Bleibe.
  • Durch Monokulturen wird die Nahrungsgrundlage von Bienen eingeschränkt, weshalb die Tiere in der Wildnis kaum noch etwas zu fressen finden. Das Füttern der Bienen ist also notwendig.
  • Gegen die bereits erwähnte Varroa-Milbe können sich heimische Bienen nicht zur Wehr setzen, da sie keine Abwehrkräfte gegen diese aus Asien eingeschleppte Spezies besitzen. Sie sind auf die Schädlingsbekämpfung der Imker angewiesen.
  • Auch konnten Wissenschaftler nachweisen, dass Bienen in Stöcken nicht anfälliger für Krankheiten sind als ihre freilebenden Verwandten.

5. Vielseitig verwendbar

Für uns Menschen ist Bienenwachs gut verträglich.

Es lässt sich ohne Bedenken für Lebensmittel einsetzen – sofern das Wachs nicht durch Schadstoffe oder Arzneimittel verschmutzt ist.

Hier sollten Verbraucher auf nachhaltige Produkte achten, die wir weiter unten vorstellen.

Kann Bienenwachs recycelt werden?

Bienenwachs ist zwar ein Naturprodukt, das unsere Umwelt nicht belastet.

Doch die emsigen Insekten benötigen für ein Kilogramm Wachs fast ein ganzes Jahr.

Allein deshalb sollte es nicht achtlos weggeworfen werden.

Leider sieht das der Gesetzgeber anders: Bienenwachs wird normalerweise nicht recycelt, sondern muss im Restmüll entsorgt werden.

Alternativ kannst du es auch als Anzünder für deinen Ofen verwenden, da es vorzüglich brennt.

Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit: Solltest du aus irgendeinem Grund größere Wachsreste besitzen, etwa in Form von Kerzen, kannst du diese zu einem Imker in deiner Nähe bringen.

Vielleicht möchte dieser daraus neue Mittelwände für den Bienenstock herstellen.

Natürlich kannst du Bienenwachs-Reste auch selbst wiederverwenden. Tipps zum Upcycling des Materials findest du auf dieser Website.

Kann Bienenwachs kompostiert werden?

Als Naturprodukt verrottet Bienenwachs von alleine. Es kann also auf dem Kompost entsorgt werden.

Das gilt nicht nur für Kerzenreste, sondern auch für alte Wachstücher.

Doch Achtung: Aufgrund des starken Geruchs locken die Wachsreste Bienen an.

Wenn du also keinen summenden Schwarm bei dir im Garten haben möchtest, solltest du Bienenwachs im Sommer nicht kompostieren.

Wenn doch, empfiehlt es sich, das Wachs tief im Komposthaufen zu vergraben.

Was bedeutet nachhaltiges Bienenwachs?

In Anlehnung an den allgemeinen Begriff der Nachhaltigkeit können wir definieren:

Bienenwachs ist dann nachhaltig, wenn Umwelt und Konsumenten durch die Herstellung und den Transport möglichst wenig geschädigt werden.

Das lässt sich an einigen Beispielen verdeutlichen:

Natürlich stellt es einen Eingriff in die Natur dar, wenn Bienen ihr Honig weggenommen wird – schließlich soll die Imkerei einen Profit erwirtschaften. Als Ersatz erhalten die Bienen Zuckerwasser.

Im Sinne der Nachhaltigkeit sollte der Zucker dafür aus biologischem Anbau und am besten aus der Region stammen.

Noch artgerechter ist es, wenn die Tiere zumindest einen Teil ihres Honigs behalten dürfen.

  • Auch sollten den Bienen lange Transportwege und damit Stress erspart bleiben.

Viele nachhaltige Imkereien belassen Ihre Bienenstöcke dauerhaft an einem Ort, was sich positiv auf das Wohlbefinden der Insekten auswirkt.

  • Überhaupt ist der Standort wichtig, damit die Bienen keine Schadstoffe über die Nahrung aufnehmen.

Darum befinden sich nachhaltige Imkerei-Betriebe vornehmlich in der Nähe naturbelassener oder ökologisch bewirtschafteter Flächen.

  • Manche nachhaltigen Imkereien werben damit, dass sie ihren Königinnen nicht die Flügel stutzen, um den Schwarm am Ausschwärmen zu hindern.

Ob das ein entscheidender Punkt ist, lässt sich nicht leicht entscheiden:

Einerseits verliert die Königin ihre Flügel von selbst, und die Tiere werden so in einer sicheren Umgebung gehalten.

Andererseits kritisieren manche Umweltschützer diese Praxis als Tierquälerei.

Grundsätzlich dürfte das entscheidende Kriterium sein, ob Bienen Schmerzen empfinden oder nicht. Wissenschaftliche Erkenntnisse weisen eher nicht darauf hin.

  • Schädlingsbekämpfung ist in der deutschen Imkerei leider notwendig. Sonst würden die Tiere nicht überleben.

Jedoch greifen nachhaltige Betriebe auf Mittel zurück, die möglichst wenig Chemie enthalten und das Bienenwachs nicht kontaminieren: z. B. biologische Säuren.

  • Damit Bienenwachs-Produkte nachhaltig sind, sollten sie aus dem Inland und am besten aus deiner Region stammen.

Sonst würden wie bei allen Produkten hohe Transportkosten und damit CO2-Emissionen anfallen.

  • Zu guter Letzt spielt die Verpackung eine Rolle: Bienenwachs kann noch so nachhaltig hergestellt worden sein.

Wenn es jedoch in Schichten aus Plastik umwickelt ist, trübt das die Öko-Bilanz. Recyceltes Papier stellt hier die nachhaltigere Verpackung dar.

Sind alle Bienenwachsprodukte nachhaltig?

Bienenwachs hat als Naturprodukt einen guten Ruf – vor allem bei umweltbewussten Käufern.

Darum ist die Versuchung groß, auch künstliche Produkte als Bienenwachs zu verkaufen.

Oftmals sind diese Fälschungen gelb eingefärbt, mit Honigaroma behandelt und in der Konsistenz kaum vom Original zu unterscheiden.

Doch selbst, wenn es sich um hundertprozentiges Bienenwachs handelt, kann die Nachhaltigkeits-Bilanz getrübt sein: Das trifft beispielsweise auf Kosmetik-Produkte zu:

Diese werden meist aus dem weißen Bienenwachs Cera Alba hergestellt, das aus Süd- und Mittelamerika stammt.

Nicht nur werden bei dessen Herstellung synthetische Bleichmittel verwendet.

Da das Wachs importiert werden muss, fallen auch hohe CO2-Emissionen durch den Transport an.

Wie erkenne ich nachhaltiges Bienenwachs?

Bevor es um das Thema Nachhaltigkeit geht, solltest du sicherstellen, dass du auch das Original-Naturprodukt erhältst.

Viele Produkte tragen die Aufschrift „enthält echtes Bienenwachs“.

Doch Vorsicht: Für dieses Label muss ein Produkt nicht vollständig aus Bienenwachs bestehen. Zu einem gewissen Teil sind auch Paraffin und Stearin erlaubt.

Darum solltest du selbst den Test machen:

Wenn das Wachs einen synthetischen Honiggeruch und einen unnatürlich starken Glanz aufweist, handelt es sich wahrscheinlich nicht um ein hundertprozentiges Naturprodukt.

Weitere Tipps, um echtes Bienenwachs von synthetischen Varianten zu unterscheiden, findest du hier.

Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, solltest du Bio-Bienenwachs kaufen.

Doch auch hier gibt es etwas zu beachten: Streng genommen sagt dieser Begriff nichts aus, da das europäische Bio-Siegel nur für Lebensmittel vergeben wird.

Aus diesem Grund lassen viele nachhaltige Imkereien ihre Produkte mit zusätzlichen Gütesiegeln zertifizieren:

Das Bioland-Siegel stellt beispielsweise sicher, dass das Bienenwachs frei von Schadstoffen ist.

Die Schädlingsbekämpfung erfolgt nur mit organischen Mitteln und der Standort muss naturnah sein.

Bioland-Bienen fressen ausschließlich Bio-Zucker oder Bio-Honig. Das Beschneiden von Flügeln ist verboten.

Ein weiteres Gütesiegel für nachhaltige Imkerei-Produkte wird vom Verband Demeter vergeben.

Die Kriterien decken sich teilweise mit denen des Bioland-Siegels, sind jedoch noch strenger:

So dürfen Königinnen nicht künstlich befruchtet werden, Imker dürfen keine künstlichen Wände im Bienenstock anbringen, und den Bienen muss mindestens 10 % ihres Honigs zum Verzehr überlassen werden.

Die verschiedenen Kriterien für nachhaltiges Bienenwachs kannst du in dieser Tabelle vergleichen.

Fazit

Bienenwachs ist ein Produkt, das zu hundert Prozent aus natürlichen Stoffen besteht und mit minimalem Eingriff in die Umwelt gewonnen wird.

Es weist darum eine bessere Ökobilanz auf als viele synthetische Produkte.

Für die Nachhaltigkeit ist es natürlich wichtig, dass die Bienen artgerecht gehalten werden, das Wachs nicht mit künstlichen Zusätzen gestreckt oder mit Schadstoffen belastet ist und die Transportwege kurz gehalten werden.

Darum solltest du bevorzugt Bienenwachs aus deiner Region kaufen.

Wenn es dazu noch mit Siegeln wie Bioland oder Demeter versehen ist, kannst du sicher sein, ein umweltverträgliches und nachhaltiges Produkt zu erhalten.

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