Ist Akazienholz nachhaltig? Was du wissen solltest (+4 Alternativen)

Tobias Durant

Etwa 1500 Arten von Akazien gibt es auf der Welt – von kleinen Strauchgewächsen bis zur mächtigen Schirmakazie, die die afrikanische Savanne ziert.

Das Holz dieser Pflanze besitzt einige bemerkenswerte Eigenschaften und ist äußerst beliebt, wenn es um die Herstellung von Möbeln geht.

Doch bei einer Holzart, die in fernen Ländern gewonnen wird und aufwändig transportiert werden muss, stellt sich natürlich die Frage: Ist Akazienholz auch nachhaltig?

Um es kurz zu sagen: In Sachen ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit weist Akazienholz eine Reihe von Defiziten auf.

Darum verraten wir dir in diesem Artikel, was du beim Kauf beachten solltest.

Außerdem stellen wir nachhaltige Alternativen vor, die es in Sachen Qualität durchaus mit Akazienholz aufnehmen können.

Woher kommt Akazienholz?

Die rund 1.500 Arten des Tribus Acacieae kommen in verschiedenen tropischen und subtropischen Gebieten vor – etwa in Afrika, Australien, Südamerika und Südostasien.

Am bedeutendsten für den Holzhandel ist die in Australien und Asien heimische und schnell wachsende Sorte Acacia mangium, die eine dunkel- bis gelb-bräunliche Farbe aufweist.

Hierzulande würden Akazien übrigens nicht wachsen: Zu kalt ist diesen Pflanzen das Klima in mitteleuropäischen Ländern wie Deutschland.

Wofür wird Akazienholz verwendet?

Das Holz der Akazie besticht nicht nur durch eine elegante Maserung. Es bietet auch eine Härte und Festigkeit, die die von Eichenholz noch übertrifft.

Gleichzeitig ist es biegsam genug, um leicht verarbeitet zu werden.

Wie viele Tropenhölzer ist Akazienholz äußerst beständig gegen Witterungseinflüsse, Pilze und Schädlinge.

Auch ohne Imprägnierung weist es eine Lebensdauer von bis zu 40 Jahren auf und benötigt nur wenig Pflege.

Aus diesen Gründen wird Akazie gerne im Außenbereich eingesetzt – etwa für Gartenmöbel.

Auch für Terrassenfliesen und Arbeitsplatten kommt das harte Holz zum Einsatz, und aus dem Splintholz bestimmter Akazienarten lässt sich Papier herstellen.

Was zeichnet nachhaltiges Holz aus?

Das Thema nachhaltiger Forstwirtschaft haben wir bereits in diesem Artikel ausführlich behandelt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Holz ist dann nachhaltig, wenn

  • nicht mehr Bäume geschlagen werden als in derselben Zeit nachwachsen können
  • die natürliche Vielfalt des Waldes bewahrt und auf Monokulturen verzichtet wird
  • für den Anbau keine natürlichen Lebensräume wie Urwälder vernichtet werden
  • die Rechte indigener Völker gewahrt bleiben
  • auf den Einsatz von Pestiziden und gentechnisch verändertes Saatgut verzichtet wird
  • die Transportwege kurz gehalten werden, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

4 Gründe, warum Akazienholz nicht nachhaltig ist

Betrachtet man diese Kriterien, weist Akazienholz einige entscheidende Defizite bei der Nachhaltigkeit auf.

1. Akazie gehört zu den Tropenhölzern, für deren Rodung große Mengen an Urwäldern vernichtet werden.

Alleine im Amazonas-Gebiet fällt pro Tag eine Fläche von 4340 Fußballfeldern den Motorsägen zum Opfer.

Dadurch wird nicht nur die Heimat von bis zu 30 Millionen Tier- und Pflanzenarten gefährdet.

Wälder sind auch gigantische CO2-Speicher. Die Abholzung hat also negative Folgen für unser Klima und beschleunigt die globale Erwärmung.

2. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit werden Akazien vielerorts auf Plantagen angebaut.

Diese haben mit natürlichen Wäldern wenig gemeinsam und stellen einen Eingriff in das ursprüngliche Ökosystem dar.

Nicht nur müssen für die Plantagen große Flächen an Urwald gerodet werden.

Da Akazien oft in Monokultur angebaut werden, ist der Einsatz von umweltschädlichen Pestiziden und Kunstdüngern nötig.

Der hohe Wasserbedarf von schnell wachsenden Akazienarten laugt die Böden aus, und schließlich gelangen durch Brandrodung Tonnen von CO2 in die Atmosphäre.

3. Da Akazien nicht in Europa wachsen, müssen sie aus den Ländern des Südens nach Deutschland importiert werden.

Somit fallen beim Transport hohe Energiekosten und CO2-Emissionen an.

4. Nach Schätzungen von UNEP und Interpol werden bis zu 90 % der weltweiten Tropenhölzer illegal geschlagen.

Oft findet die Rodung in Gebieten statt, in denen indigene Völker leben – mit katastrophalen Folgen für deren traditionelle Lebensweise.

Nachhaltiges Akazienholz – ein Widerspruch?

Über die Frage, ob Tropenhölzer wie Akazien überhaupt nachhaltig sein können, streiten sich die Umweltschützer.

Vereine wie Rettet den Regenwald e. V. weisen darauf hin, dass selbst die schonende Rodung von Urwäldern einen Eingriff in dieses empfindliche Ökosystem darstellt – etwa durch den Einsatz von schwerem Gerät wie Bulldozern und Lkw.

Auch das Errichten von Straßen durch den Urwald sorgt für Umweltschäden.

Verfechter nachhaltiger Tropenhölzer bestreiten diesen Eingriff in die Natur nicht – weisen jedoch auf die positiven Aspekte hin: z. B., dass nachhaltige Forstbetriebe ein Eigeninteresse daran haben, ihre Wälder gesund und artenreich zu halten.

Dieses ökonomische Interesse stellt eine größere Motivation dar als der reine Umweltschutz.

Außerdem bietet die nachhaltige Forstwirtschaft der einheimischen Bevölkerung eine Alternative zu noch schädlicheren Tätigkeiten wie der Brandrodung, um Platz für Agrarflächen zu schaffen.

Wenn es um Holz-Plantagen geht, betonen Umweltschützer die schädlichen Auswirkungen von Monokulturen, die wir bereits weiter oben angesprochen haben.

Die Forderung lautet daher, möglichst artenreiche Baumbestände anzupflanzen, die sich harmonisch in die einheimische Flora einfügen.

So erkennst du nachhaltiges Akazienholz

Wie wir festgestellt haben, ist die Frage, ob Akazienholz nachhaltig sein kann, nicht abschließend geklärt.

Wenn du trotzdem Möbel aus Akazienholz kaufen und auf Nachhaltigkeit achten möchtest, bietet das FSC-Siegel eine gute Orientierung.

Nach welchen Kriterien sich die Zertifizierung richtet, haben wir in diesem Beitrag beschrieben.

Eine Rolle spielen beispielsweise die Einhaltung nationaler Gesetze, die Minimierung von Umweltschäden und die Wahrung der Rechte indigener Völker.

Nicht allen Umweltschützern gehen die Kriterien des FSC-Siegels weit genug. Kritisiert wird etwa, dass

  • die industrielle Bewirtschaftung von Regenwäldern zugelassen ist
  • die Kontrollen nicht streng genug sind
  • sich der Verband zu Teilen durch Beiträge seiner Mitglieder, also Forstbetriebe, finanziert, was dessen Unabhängigkeit beeinträchtigt
  • auch umweltschädliche Monokulturen das FSC-Siegel erhalten
  • die Lieferwege von FSC-Produkten oft nicht zurückverfolgt werden können.

Natürlich lässt sich auch argumentieren: lieber eine (zumindest in Ansätzen) nachhaltige Nutzung des Regenwalds als eine völlig ungezügelte Abholzung.

Zumindest garantiert das FSC-Siegel, dass nationale Gesetze bei der Forstwirtschaft eingehalten werden.

Zertifiziertes Tropenholz mag nicht alle ökologischen Kriterien erfüllen – scheint aber immer noch besser zu sein als Tropenholz ohne jegliches Gütesiegel.

4 nachhaltige Alternativen zu Akazienholz

Wie wir gezeigt haben, ist Akazienholz mit vielen Umweltschäden verbunden – selbst wenn auf eine nachhaltige Rodung geachtet wird.

Darum fordern Verbände wie Greenpeace die Verbraucher schon lange dazu auf, heimischen Holzsorten den Vorrang zu geben.

Im Folgenden zeigen wir dir, welche Bäume es mit den begehrten Eigenschaften der Akazie aufnehmen können, aber wesentlich nachhaltiger sind:

1. Robinie

Diese Baumart stammt aus Nordamerika, ist aber auch in deutschen Parks und Grünanlagen zu finden.

Aufgrund der Ähnlichkeit wird sie oft als „falsche Akazie“ bezeichnet. Und tatsächlich handelt es sich bei vielen Produkten, die das Label „Akazie“ tragen, um Robinienholz.

Da die Robinie hierzulande angepflanzt werden kann, sehen viele Umweltschützer sie als gute Alternative zur Akazie.

Sie bietet die gleichen Eigenschaften, die echtes Akazienholz so interessant für die Möbelherstellung machen, und ist sogar noch härter.

Außerdem erfüllt Robinie als einziges nicht-tropisches Holz die Anforderungen der Resistenzklasse 1-2 und gilt damit als sehr beständig gegen Pilzbefall.

Ein weiterer Vorteil: Robinienholz ist wesentlich günstiger als echte Akazie.

2. Eiche

Dieser hierzulande weit verbreitete Laubbaum stellt eine kostengünstige Alternative zur Akazie dar.

Eichenholz ist etwas weniger resistent gegen Pilze als Tropenhölzer, aber immer noch widerstandsfähig genug für die Verwendung im Außenbereich.

Dabei ist eine schützende Lasur nicht unbedingt nötig, was die Umweltbilanz weiter verbessert.

Der Nachteil: Durch Witterung können Eichenholz-Möbel eine gräulich-schwarze Patina ausbilden. Das macht ein- bis zweimaliges Einölen im Jahr notwendig.

Auch den direkten Kontakt mit eisenhaltigem Metall solltest du vermeiden, da sich das Holz sonst verfärben kann.

3. Douglasie

Dieser Nadelbaum stammt, wie die Robinie, ursprünglich aus Nordamerika. Er lässt sich jedoch auch in Deutschland anpflanzen.

Douglasien-Holz punktet mit leichtem Gewicht und relativ günstigem Preis.

Allerdings ist es weniger witterungsbeständig als Akazie und nur mäßig gegen holzzerstörende Pilze geschützt.

Das macht eine Lasur erforderlich, was aufgrund verwendeter Lösungsmittel die Nachhaltigkeit mindert.

Du solltest also auf eine möglichst umweltverträgliche Schutzschicht achten.

Auch empfiehlt es sich, Douglasienholz ein bis zweimal im Jahr einzuölen, damit es seine natürliche Farbe behält.

4. Edelkastanie

Bei unserer letzten Alternative handelt es sich um einen Exoten unter den Möbelhölzern.

Die Edelkastanie wird in die Resistenzklasse 2 eingeordnet – ist also fast so widerstandsfähig gegen Pilzbefall wie Akazie.

Da es kaum aufquillt und durch Gerbsäure einen natürlichen Schutz bietet, ist Kastanienholz gut für den Außenbereich geeignet.

Dazu kommt: Kastanie ist äußerst pflegeleicht. Es genügt, Möbel alle ein bis zwei Jahre mit Holzschutzfarbe zu behandeln, um ihre natürliche Farbe zu bewahren.

Fazit

Wie andere Tropenhölzer kann Akazienholz nur bedingt als nachhaltig gelten.

Selbst bei schonender Nutzung lassen sich Umweltschäden und ein hoher CO2-Ausstoß durch den Transport nicht gänzlich vermeiden.

Wenn es echtes Akazienholz sein soll, empfiehlt es sich, auf das FSC-Siegel zu achten.

Dieses bietet zwar keine hundertprozentige Garantie für Nachhaltigkeit, bescheinigt jedoch zumindest die Einhaltung grundlegender ökologischer Standards.

Willst du einen noch größeren Beitrag für die Umwelt leisten, solltest du regionalen Holzsorten den Vorzug geben: etwa Robinie, Douglasie, Eiche oder Edelkastanie.

Diese sind für den Außenbereich fast ebenso gut geeignet wie das Holz der Akazie.

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