Ist Intensivtierhaltung nachhaltig? 5 Fakten (& Alternativen)

Ist Intensivtierhaltung nachhaltig? 5 Fakten (& Alternativen)

zuletzt aktualisiert am 18 Juni 2022

Fleisch, Eier, Milch – diese drei Schwergewichte machen einen Großteil der Ernährung in Deutschland aus und stehen bei vielen von uns täglich auf dem Speiseplan.

Dafür, dass heutzutage niemand auf tierische Produkte verzichten muss, sorgt die Intensivtierhaltung.

Allein 33 Millionen Liter Kuhmilch, 12 Milliarden Eier und 9 Millionen Tonnen Fleisch spuckt diese hoch-effiziente Form der Landwirtschaft jedes Jahr aus.

Dass die Nachhaltigkeit unter diesen Produktionsmengen und dem immer größeren Streben nach Profit leidet, sollte jedem klar sein.

Bilder von zusammengepferchten Legehennen, Kühen und Schweinen sowie verletzten und kranken Tieren machen nicht erst seit gestern die Runde.

Was viele nicht wissen: Die Intensivtierhaltung trägt auch entscheidend zum Ausstoß von CO2-Emissionen, dem Wasserverbrauch und der Belastung der Umwelt durch Schadstoffe bei.

Dazu kommen Gefahren für den Menschen durch den unverhältnismäßigen Einsatz von Antibiotika.

Längst nicht mehr alle Verbraucher sind willens, diese Zustände zu tolerieren.

Und so hat sich die nachhaltige Tierhaltung als Alternative entwickelt. Ökologische Produkte fristen immer noch ein Nischendasein, punkten jedoch mit einer weit besseren Umweltbilanz.

Auch pflanzliche Produkte sind gut geeignet, die Schäden der Tierhaltung einzudämmen, wie wir im letzten Abschnitt zeigen werden.

Was versteht man unter Intensivtierhaltung?

Auch wenn es für den Begriff „Intensivtierhaltung“ keine einheitliche Definition gibt, haben sich folgende Merkmale herauskristallisiert:

  • Die Tierhaltung ist auf maximalen Profit ausgelegt. Abläufe sind weitgehend mechanisiert und die Zahl der Beschäftigten weit geringer als in der traditionellen Landwirtschaft
  • Meist wird pro Betrieb nur eine Tierart gehalten.
  • Bei einer großen Zahl von Tieren spricht man landläufig auch von Massentierhaltung.

Wann diese beginnt, wird ganz unterschiedlich bewertet: So nennt die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ein Maß von 10 Großvieheinheiten pro Hektar.

Das Europäische Parlament setzt als Kriterium die Anzahl der Tiere an: Nach dieser Definition betreibt ein Betrieb Intensivtierhaltung, wenn er mehr als 2000 Plätze für Schweine oder 40.000 Plätze für Geflügel besitzt.

  • Das Futter für die Tiere wird nicht oder nur in geringen Mengen selbst hergestellt. Die FAO spricht von einer Obergrenze von 10 % des verwendeten Futters.
  • Bei der Zusammensetzung des Futters spielt die Energiedichte eine wichtige Rolle, um das Wachstum anzuregen. Eiweißreiches Futter, vor allem Soja, dominiert.
  • Daneben werden oft Gentechnik und selektive Züchtung eingesetzt, um die Vitalität, Fruchtbarkeit oder den Ertrag der Tiere zu steigern.
  • Anders als in der traditionellen Landwirtschaft übersteigt die Menge an Tiermist die zu düngende Fläche um ein Vielfaches. Das macht den Abtransport der Gülle notwendig.

5 Gründe, warum Intensivtierhaltung nicht nachhaltig ist

Die Intensivtierhaltung hat es ermöglicht, dass Fleisch, Milch und Eier heute in rauen Mengen verfügbar sind.

Doch dies bringt gravierende Probleme mit sich: für das Wohl der Tiere, die Umwelt und schließlich für uns Menschen.

Betrachten wir die schädlichen Auswirkungen der Intensivtierhaltung genauer:

1. Nicht artgerechte Haltungsbedingungen

In der Intensivtierhaltung sind die einzelnen Tiere meist auf engem Raum untergebracht.

Das führt nicht nur dazu, dass ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Auch Krankheiten, Stress, Apathie und abnormales Verhalten sind Folgen dieser artfremden Haltung.

Nicht selten werden den Tieren Hörner, Schwänze oder Zähne amputiert, um sie vom Verletzen ihrer Artgenossen abzuhalten.

Meistens geschehen diese Operationen ohne Betäubung oder die Betreuung durch einen Tierarzt.

Zu den weiteren Missständen, die Tierschützer an der Intensivtierhaltung kritisieren, gehören:

  • unzureichende medizinische Versorgung aufgrund der schieren Masse an Tieren
  • mangelnde Hygiene, die zu Krankheiten führt
  • Trennung der Jungtiere von der Mutter kurz nach der Geburt
  • Kastration von Ferkeln ohne Betäubung
  • Töten von männlichen Küken gleich nach dem Schlüpfen.

2. Hoher Bedarf an Tierfutter

Man sieht es Produkten wie Fleisch, Eiern und Milch nicht an, aber hinter diesen tierischen Erzeugnissen stehen gigantische Mengen an Futter.

Oder um es geografisch auszudrücken: 30 % aller Anbauflächen müssen für Tiernahrung herhalten, obwohl tierische Produkte gerade einmal 20 % der weltweiten Ernährung ausmachen.

Um die Produkte bezahlbar zu machen, muss nicht nur die Tierhaltung, sondern auch der Futteranbau so profitabel und ertragreich wie möglich sein: Monokulturen, Turbo-Sorten sowie hohe Mengen an Dünger und Pestizide sind die Folge.

Soja spielt dank des hohen Eiweißgehalts eine wichtige Rolle als Futtermittel – ist aber auch für die Zerstörung des Regenwalds verantwortlich.

Jahr für Jahr werden riesige Flächen dieses Lebensraums vernichtet, was nicht nur katastrophale Auswirkungen auf die dortige Tier- und Pflanzenwelt sowie indigene Völker hat.

Regenwälder sind auch gigantische CO2-Speicher. Ihre Abholzung ist mit also direkt mit dem Anstieg von Treibhausgasen in der Atmosphäre verbunden.

3. Wasserverbrauch und Verschmutzung von Gewässern

Schätzungen der FAO zufolge verbraucht die Tierhaltung jedes Jahr ganze 8 % des weltweiten Wassers.

Der hohe Verbrauch ist jedoch nicht nur dem Durst der Tiere geschuldet: 7 % dieser 8 % entfallen auf die Herstellung des Futters.

Das ist besonders dann ein Problem, wenn Soja, Mais und Co. aus Ländern stammen, die von Wasserknappheit betroffen sind.

Dazu kommt das Problem der Wasserverschmutzung. Durch Tiermist gelangen große Mengen an Nitrat in das Grundwasser – so viel, dass mittlerweile die Hälfte der Gewässer in Deutschland die erlaubte Nitratmenge von 50 mg/l übersteigen.

Das gefährdet nicht nur das Wohl von Tieren und Pflanzen, sondern ist auch für den Menschen gefährlich, da Nitrat Krebs und Blausucht verursachen kann. Besonders dort, wo viele Tiere gehalten werden, ist das Trinkwasser akut gefährdet.

Dazu kommen Rückstände von Tier-Arzneimitteln, die in Gewässer gelangen und dort Mikroorganismen zerstören sowie die Fruchtbarkeit von Fischen und Amphibien beeinträchtigen.

Verschärft wird dieses Problem dadurch, dass sich diese Rückstände nach dem aktuellen Stand der Technik noch nicht ausfiltern lassen.

4. CO2-Emissionen

Statistiken der FAO zeigen: Die Tierhaltung ist für ganze 14,5 % der jährlichen CO2-Emissionen verantwortlich. Doch wie kommt dieser hohe Wert zustande?

  • Durch die Düngung von Futterpflanzen entsteht Lachgas: ein Schadstoff, der etwa 300 Mal klimaschädlicher ist als CO2.

Schätzungen zufolge macht Lachgas ganze 46 % der jährlichen Emissionen in der Landwirtschaft aus.

  • Weitere 50 % aller Treibhaus-Emissionen entstehen durch Methan, das in den Mägen von Wiederkäuern produziert wird.

Auch dieses Gas ist ein echter Klimakiller und treibt die Erderwärmung ganze 25 Mal schneller voran als CO2.

  • Da die wenigsten Betriebe über eigene Felder verfügen, übersteigt die Menge an Gülle den Bedarf deutlich.

Sie muss also über weite Strecken transportiert werden, was den CO2-Ausstoß weiter erhöht.

  • Natürlich müssen auch die Tiere selbst transportiert werden, da nicht jeder Betrieb über einen eigenen Schlachthof verfügt.

Das bedeutet nicht nur zusätzliches Tierleid, sondern schlägt sich auch bei den CO2-Emissionen nieder: Schätzungen der FAO zufolge ist allein der Transport für 20 % der Treibhausgase verantwortlich, die in der Intensivtierhaltung anfallen.

5. Problematischer Umgang mit Arzneimitteln

Da die Tiere in der Intensivhaltung auf engstem Raum leben, haben Krankheitserreger leichtes Spiel, sich zu verbreiten.

Darum werden Kühe und Schweine nicht nur bei Bedarf, sondern prophylaktisch mit Antibiotika behandelt, sobald ein Mitglied der Herde erkrankt.

Dieser unbedachte Umgang mit Arzneimitteln ist auch für uns Menschen gefährlich.

Rückstände landen unweigerlich in unserem Körper, wenn wir das Fleisch von Tieren aus Intensivhaltung zu uns nehmen.

Aber auch in Böden und dem Grundwasser lassen sich Spuren von Antibiotika nachweisen.

Direkt mit der Tierhaltung verbunden sind Krankheitserreger, die sich den Antibiotika anpassen und nicht mehr medikamentös behandelt werden können.

Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts erkranken allein Deutschland jährlich etwa 54.500 Menschen an diesen antibiotikaresistenten Keimen.

Die Todesrate liegt bei 2300 Personen pro Jahr, wobei Experten in Zukunft noch höhere Zahlen befürchten.

Was ist nachhaltige Tierhaltung?

Für den Begriff der nachhaltigen Tierhaltung gibt es keine verbindliche Definition. Allerdings haben sich folgende Kriterien herauskristallisiert:

  • genügend Platz und Auslauf für die Tiere
  • begrenzte Größe der Tiergruppe
  • artgerechtes Futter, meist aus eigenem Anbau
  • Verzicht auf Gentechnik
  • Bevorzugung heimischer Rassen
  • sparsamer Einsatz von Antibiotika
  • Verzicht auf Verstümmelung
  • kurze Transportwege
  • möglichst schmerz- und stresslose Schlachtung der Tiere.

Ist nachhaltige Intensivtierhaltung überhaupt möglich?

Die Antwort auf diese Frage hängt stark von der Definition des Begriffs Intensivtierhaltung an.

Ist damit beispielsweise nur die hohe Technisierung/Automatisierung der Abläufe gemeint, könnte auch die nachhaltige Tierhaltung intensiv sein: etwa, wenn ein Landwirt automatische Melkmaschinen einsetzt. Das ist heute sogar der Normalfall.

Wie wir jedoch gesehen haben, ist ein entscheidendes Merkmal der intensiven Tierhaltung das Streben nach Profit.

Um Erträge zu maximieren, werden Nutztiere auf möglichst engem Raum gehalten, mit leistungssteigerndem Futter aufgezogen, verstümmelt und übermäßig mit Medikamenten behandelt. Wirtschaftliche Gesichtspunkte stehen also vor dem Tierwohl.

In der nachhaltigen Tierhaltung hat dagegen das Tierwohl oberste Priorität. Diese Form der Landwirtschaft kann per definitionem nur so intensiv sein, wie es die artgerechte Haltung der Tiere zulässt.

Natürlich gibt es nicht nur diese beiden Pole. Stattdessen kann auch die Intensivtierhaltung Maßnahmen der Nachhaltigkeit implementieren – etwa, um auf die Forderungen umweltbewusster Verbraucher einzugehen.

Sehen wir uns dazu die größten Akteure der Intensivtierhaltung in Deutschland an:

Wiesenhof

Wiesenhof stand unlängst in de Kritik, weil Mitarbeiter dieses Fleischproduzenten kranke, aber noch lebende Tiere im Müll entsorgten oder mit barbarischen Mitteln töteten.  

Seitdem arbeitet die Marke an ihrem Image. Auf der Website ist zu lesen, dass Wiesenhof-Betriebe an der Initiative Tierwohl (ITW) teilnehmen und Bedingungen schaffen, die über die gesetzlichen Mindestvoraussetzungen hinausgehen.

Unter anderem müssen ITW-Höfe 10 % mehr Platz für ihre Tiere bereitstellen. Allerdings machen diese Höfe bisher nur einen geringen Anteil aller Wiesenhof-Produzenten aus.

Tönnies

Ein echtes Schwergewicht der Fleischindustrie ist auch die Tönnies-Gruppe.

Dieses milliardenschwere Unternehmen gibt an, seine Produktion bis 2030 wesentlich nachhaltiger gestalten zu wollen: etwa durch Haltungsbedingungen, die über gesetzliche Standards hinausgehen, weniger Antibiotika und klimafreundliches Futter.

Tönnies kann diesen Imagewandel gut gebrauchen. Im Jahr 2020 stand die Gruppe nämlich in den Schlagzeilen, als mehr als 1.550 Corona-Fälle ein Licht auf die schlechten Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen warfen.

Den Tieren scheint es kaum besser zu gehen, wie Berichte über eingeengte, kranke und verletzte Schweine zeigen.

Vion

Ähnlich stellt sich die Situation beim zweitgrößten Fleischproduzenten in Deutschland dar.

Die Vion Food Group wirbt damit, Tieren lange Transportwege zu ersparen und die Schlachtung unter strenger Aufsicht durchzuführen.

Zur Nachhaltigkeitsstrategie gehören auch die Kennzeichnung des „CO2-Fußabdrucks“ auf Produkten und die Teilnahme am Round Table Responsible Soy (RTRS) für nachhaltigen Soja-Anbau.

Jedoch sind Fälle von Tierquälerei in Betrieben und Schlachthöfen der Vion Food Group gut belegt.

Bei Berichten über Schweine, die ohne effektive Betäubung geschlachtet werden, Verstöße gegen Hygienestandards und Kühe mit unbehandelten, eitrigen Verletzungen dürfte selbst hartgesottenen Kunden der Appetit vergehen.

Was können uns diese drei Beispiele – die wir übrigens noch weiter fortführen könnten – zeigen?

Ganz einfach: Es gibt heute kaum einen Akteur der Intensivtierhaltung, der sich nicht positiv zur Nachhaltigkeit bekennt und entsprechende Initiativen unterstützt – vor allem, um sein Image aufzubessern.

Ist das nun „Greenwashing“ oder ein ernsthaftes Bemühen um mehr Nachhaltigkeit? Schwer zu sagen.

Letzten Endes – so argumentieren auch Tönnies, Wiesenhof und Co. – kommt es auf die Verbraucher an.

Nur wenn diese bereit sind, an der Supermarktkasse mehr für tierische Produkte zu bezahlen, lässt sich die Tierhaltung im großen Stil nachhaltiger gestalten.

Hier herrscht aktuell noch eine große Diskrepanz zwischen dem Willen der Konsumenten und ihrem tatsächlichen Handeln:

So ist der Marktanteil von Bio-Fleisch mit 3,6 % (2020) immer noch verschwindend gering – und das, obwohl knapp die Hälfte aller Deutschen nach eigenen Angaben auf Nachhaltigkeit beim Lebensmittelkauf achtet.

Diese Diskrepanz lässt sich hauptsächlich mit dem höheren Preis für ökologisch hergestellte Lebensmitteln erklären.

Vor allem ältere Konsumenten zeigen sich aktuell noch unwillig, diesen Preis zu bezahlen.

Solange das so bleibt, wird sich wohl auch am Leid der Tiere nichts wesentlich ändern.

Welche nachhaltigeren Alternativen gibt es zur Intensivtierhaltung?

Als Gegenpol zur Intensivtierhaltung haben sich mehrere Alternativen herausgebildet.

Zum einen kann die Haltung nachhaltiger und tierfreundlicher gestaltet werden; zum anderen besteht die Möglichkeit, komplett oder zumindest teilweise auf tierische Produkte zu verzichten.

1. Ökologische Tierhaltung

Unter diesen Begriff fallen Formen der Tierhaltung, die das Tierwohl als oberste Priorität haben – oder zumindest stärker in den Fokus rücken als in der Intensivtierhaltung.

Bei der Fülle an Akteuren, z. B. Bio, Bio-Land, Demeter oder Naturland, unterscheiden sich die Maßnahmen natürlich. Dennoch spielen meist folgende Kriterien eine Rolle:

Platzangebot und Gestaltung der Umgebung

Eng zusammengepferchte Tiere wird man in der ökologischen Landwirtschaft kaum finden.

Vorgaben an die Größe der Ställe und die maximale Zahl der Individuen sind weit strenger als die gesetzlichen Regelungen.

Außerdem wird die Anzahl der Tiere durch zwei weitere Faktoren begrenzt. Ein Bio-Landwirt darf nur so viele Tiere halten, wie er mit eigenem Futter versorgen kann – und die Tiere dürfen nur so viel Gülle produzieren, dass der Bedarf der Felder gedeckt wird.

Ebenso wichtig wie die Größe ist auch die Art der Unterbringung: Tiere sollen eine Umgebung wiederfinden, die ihr natürliches Verhalten ermöglicht.

Dazu gehören etwa getrennte Bereiche für das Koten und Fressen, ausreichend Auslauf, aber auch das richtige Einstreu in Ställen.

Tierwohl und medizinische Versorgung

Da die Tiere genug Platz haben und ihr natürliches Verhalten zeigen können, kann auf Amputationen und Verstümmelungen verzichtet werden:

Ferkeln werden nicht die Schwänze gekürzt, Hühner dürfen ihre Schnäbel behalten, und auch das Enthornen von Rindern fällt bei der ökologischen Tierhaltung weg.

Antibiotika dürfen nur verabreicht werden, wenn medizinische Notwendigkeit besteht – und nicht etwa, um die Infektionsgefahr in zu engen Ställen einzudämmen.

Außerdem geben viele nachhaltige Betriebe Naturheilmitteln den Vorrang und setzen Antibiotika und andere chemische Medikamente nur im Notfall ein.

Die Wahl der Tierrassen gibt oft schon Auskunft darüber, wie oft Nutztiere medizinisch versorgt werden müssen.

Viele Öko-Landwirte bevorzugen einheimischen Rassen, wenn diese besonders robust und an die Gegebenheiten angepasst sind – auch wenn importierte „Turbo-Rassen“ vielleicht mehr Ertrag liefern würden.

Anbau und Art des Futters

In der ökologischen Landwirtschaft erhalten die Tiere artgerechtes Futter, das nicht nur auf maximales Wachstum abzielt.

Synthetisch-chemisches Futter wird abgelehnt – ebenso wie chemische Zusätze, die die Fruchtbarkeit oder die Leistung der Tiere fördern sollen.

Dasselbe gilt für synthetische Aminosäuren und genmanipuliertes Futter,

Oft wissen die Tiere selbst, welches Futter am besten für sie ist. Darum ist der Auslauf auf Weiden in der nachhaltigen Landwirtschaft bedeutsam.

Doch nicht nur das Wohl der Tiere ist beim Futter entscheidend. Auch gesamt-ökologische Aspekte spielen eine Rolle:

So verpflichten sich viele Öko-Landwirte, ausschließlich oder zum Großteil Futter aus eigenem Anbau zu verwenden.

So weiß der Landwirt nicht nur, was in seinem Futter enthalten ist. Auch lange Transportwege lassen sich vermeiden – und damit wiederum CO2-Emissionen.

Wenn Fremdfutter verwendet wird, haben biologisch angebaute Produkte den Vorrang.

So sollen Umweltschäden durch Überdüngung und Rodung von Landschaften eingedämmt werden.

Schlachtung und Transport

Natürlich werden die Tiere auch in nachhaltigen Betrieben nicht ohne Eigennutz gehalten.

Landwirte müssen von ihrem Ertrag leben, und so spenden Rinder, Schweine und Geflügel Fleisch für die Kunden.

Wichtig ist jedoch ein „tierwürdiger“ Transport, der nur wenige Stunden dauern und die Tiere nicht zu sehr in Stress versetzen darf.

Das Antreiben mit Elektroschocks und der Einsatz von Beruhigungsmitteln sind meist verboten.

Stattdessen muss die Gesundheit der Tiere immer sichergestellt werden und ein Veterinär die Zustände im Schlachthof kontrollieren.

2. Extensive Tierhaltung

„Extensive Tierhaltung“ ist ein Begriff mit zwei Bedeutungen:

Einerseits versteht man darunter das Gegenteil der intensiven Tierhaltung – und zwar bezogen auf die Fläche.

Die Tiere werden nicht auf möglichst engem Raum untergebracht und mit externem Futter versorgt. Stattdessen grasen Kühe, Schafe oder Schweine auf weiten Weideflächen.

Ein Beispiel dafür wäre die Almwirtschaft, bei der die Tiere nur im Winter im Stall gehalten werden; oder die klassische Ranch mit hektargroßen Weiden.

Daneben gilt extensive Tierhaltung aber auch als Sonderform der ökologischen Tierhaltung.

Der freie Auslauf der Nutztiere steht hier noch stärker im Fokus – genau wie der Fakt, dass sich die Tiere selbst versorgen und nur in Ausnahmefällen gefüttert werden.

Wie ist diese Form der Tierhaltung nun aus Sicht der Nachhaltigkeit zu bewerten?

Unbestreitbar kommt sie dem natürlichen Verhalten von Kühen, Schafen oder Schweinen am nächsten, da die Tiere sich auf großer Fläche bewegen können. Außerdem haben die Tiere nahezu freie Auswahl bei der Futtersuche.

Allerdings ist die extensive Tierhaltung in Deutschland nur bedingt möglich. Zum einen wäre es den Tieren im Winter zu kalt auf der Weide.

Zum anderen ist auch das Platzangebot hierzulande begrenzt. Und natürlich sind Produkte aus extensiver Haltung teurer, da die Tiere wesentlich langsamer aufwachsen als in Massentierhaltung.

Ebenfalls wichtig: Wie nachhaltig extensive Tierhaltung ist, kommt auch auf die Weidefläche an.

Natürliches Grasland, das nicht anderweitig genutzt wird, stellt beispielsweise eine unbedenkliche Möglichkeit dar.

Anders sieht es in Ländern aus, in denen große Flächen von Regenwald für Rinderweiden gerodet werden.

Dort führt die extensive Landwirtschaft zu einem Verlust von Biodiversität und hohen CO2-Emissionen.

Das Steak aus Brasilien ist also nicht automatisch nachhaltig, nur weil die Kühe im Freien grasen dürfen.

3. Pflanzliche Ernährung

Wie wir gezeigt haben, schneidet die nachhaltige Tierhaltung bei nahezu allen ökologischen Kriterien positiver ab als die Intensivtierhaltung.

Dennoch: Tierische Produkte mit neutraler Energiebilanz, ohne CO2-Emissionen und Umweltschäden – das erscheint kaum machbar.

Darum lautet eine Alternative: pflanzliche Ernährung.

Wer ganz oder zumindest in Teilen auf tierische Produkte verzichtet, kann einen entscheidenden Beitrag für unsere Umwelt leisten.

Beispiele gefällig?

  • Schätzungen zufolge fallen bei 1 kg Rindfleisch ganze 13,3 kg Treibhausgase an. Das sind 17 Mal mehr als für die gleiche Menge an Mischbrot. Bio-Fleisch schneidet bei der CO2-Bilanz übrigens nur geringfügig besser ab.
  • Ähnlich klimaschädlich präsentiert sich Kuhmilch. Auf einen Liter dieses Produkts kommen etwa 3,2 kg CO2. Hafermilch punktet dagegen mit einem fast viermal geringeren CO2-Ausstoß.
  • Nicht unterschätzen sollte man auch den Wasserverbrauch von tierischen Produkten. Für einen Liter Kuhmilch sind beispielsweise 628 L Wasser nötig.

Das ist jedoch noch gar nichts gegen Schweinefleisch (6.000 L/kg) und den Spitzenreiter Rindfleisch (15.415 L/kg).

Zum Vergleich: Wer die gleiche Menge an Kartoffeln verzehren würde, hätte nur 210 L Wasser verbraucht.

Fazit

Ist Intensivtierhaltung nachhaltig?

Wenn man unter Nachhaltigkeit das Wohl der Tiere, die CO2-Bilanz, Schad- und Abfallstoffe, den Wasserverbrauch und die Gefahr für uns Menschen summiert, kann diese Frage nur verneint werden.

Die Intensivtierhaltung sorgt nicht nur für massives Tierleid, sondern trägt auch wesentlich zur Emission von Treibhausgasen, dem Schwinden natürlicher Ressourcen und der Gefahr durch Krankheitserreger bei.

Ökologisch hergestellte Produkte haben bei diesen Punkten die Nase vorn und stellen die nachhaltigere Wahl dar.

Natürlich hat das gute Öko-Gewissen seinen Preis, und dieser zeigt sich an der Kasse: Milch, Eier und Fleisch aus nachhaltiger Tierhaltung sind wesentlich teurer und damit immer noch Nischenprodukte.

Aus Sicht der Nachhaltigkeit erscheint es also empfehlenswert, die pflanzliche Ernährung zu forcieren, wobei regionale und saisonale Lebensmittel den Vorrang haben sollten.

Das heißt natürlich nicht, dass das gelegentliche Bio-Steak tabu wäre.

Statistiken zeigen jedoch eindeutig: Wer ganz oder zumindest teilweise auf tierische Produkte verzichtet, kann einen entscheidenden Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

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